
Was waren das für Monate! Wochenlang im Halbdunkel der Bootshalle geschuftet, ohne zu wissen, ob es in dieser Saison überhaupt zum Segeln kommt, immer wieder Gespräche geführt, „Ohr an Masse gelegt“, um mögliche Neuigkeiten schnell aufnehmen zu können, im Verein gegenseitig die Rücken gestärkt und Pläne für den Fall der Fälle gemacht, teils abstruse Vorschläge aus „dem politischen Raum“ zur Kenntnis genommen. Und nun? Es ist soweit. Die ersten Jollen haben Fördewasser „gekostet“; ein mächtiger Kran hat die großen Boote in die Kieler Förde gehoben. Und alle haben die ersten Kabellängen zurückgelegt. Strahlende Augen, Herzklopfen, Jubel – wir haben die Segelsaison eröffnet, und das mit einem echten Kraftakt vieler Mitglieder und Freunde. Danke!

Dieser erste Segeltag war vor allem ein Tag der letzten Vorbereitungen, bei dem noch einmal richtig geschuftet werden musste. Zu unser aller Entsetzen spielte ausgerechnet das Wetter nicht mit. Zwei Opti-Gruppen hatten wir in Motorboot-Begleitung beginnen lassen wollen. Aber dann? Windstärke 5, in Böen 6 bis 7 – nach einem halben Jahr ohne Boot unter den Füßen? Kaum denkbar. Stefan und Janek als erfahrenste Jollen- und Regatta-Segler schüttelten (zu Recht) nur die Köpfe. Die bereits aufgetakelten Jollen wurden wieder abgetakelt und sorgsam in der Bootshalle verstaut, den Kindern, die wegen der Corona-Pandemie in Kleingruppen zu festen Terminen bestellt und noch nicht eingetrudelt waren, wurde abgesagt.

Aber es gab keine Zeit zum Nachdenken. Die großen Eimer mussten in Position gebracht werden, damit der Kran sie greifen und ins Wasser bringen konnte. Diverse Jollen wurden umgehoben und „sortiert“. Hier kam ein 420er zur Dichtigkeitsprüfung an den Steg, danach gestapelt mit einem anderen 420er huckepack zurück in die Halle. Dort wurde ein „Floh“ auf einen 470er gepackt. Ein „Pirat“ musste um die Längsachse gedreht werden. Machen wir mal eben aus der Hand, dachten wir. Wie schwer war noch mal diese altertümliche Jolle? 230 Kilogramm, Holla, die Waldfee.

Zwischendrin gab es eine Stärkung, Maikringel von Jörn, knusprige Knoblauch-Ecken von Dörte und Cathrine – alles im Vorbeilaufen mit der Würstchenzange überreicht. Corona-Bestimmungen machen erfinderisch. Thomas, der Kranfahrer, kam nicht nur pünktlich, sondern sogar eine Stunde früher als erwartet. Der erfahrene Maschinenführer gibt uns immer viel Sicherheit, wenn es um die Verladung der großen Boote geht. Und da er nicht mehr Ansprüche stellte als einen großen Becher Kaffee, hatte Tina, die 2. Vorsitzende, eine Überraschung für ihn vorbereitet, einen schicken Mund-Nasen-Schutz im Marine-Jugend-Kiel-Look mit „Personalisierung“.

Nicht nur das Wetter wollte nicht so, wie wir wollten; auch einige Boote stellten sich extrem störrisch an. Kutter „Fritjof“ muckte zuerst auf. Von erwartungsvollen Seglern mit Pinseln und Rollen voll Antifouling umringt, sollte er – vom Kran etwas geliftet – sein Schwert zeigen, damit das noch schnell gestrichen werden konnte. Aber mit Rütteln und Klopfen und Zerren am Geschirr war es nicht getan. Das Schwert fiel nicht aus dem Rumpf. Bis … ja bis jemandem einfiel, dass es da ja auch noch einen Sicherungsbolzen gibt. Der Rest war Schweigen.

Gleiches Spiel, anderes Boot: Die Varianta „Regulus“ weigerte sich ebenfalls, ihr Kielschwert der wartenden Öffentlichkeit zu präsentieren. Von dieser „Dame“ waren wir das Spiel aus den vergangenen Jahren aber schon gewohnt. Und da gab es auch keinen Bolzen, der als Ausrede hätte dienen können. Da ging es wie immer nur mit Tricks und roher Gewalt.

Als kaum noch damit jemand rechnete, flaute der Wind über der Kieler Förde ab. So kamen sehr spontan doch noch zwei Optis zur Saisoneröffnung ins Wasser. Mit einem Schlauchboot hinterher und mit reduzierter Besegelung durften ganz überraschend Louis und Arne stellvertretend für die anderen Mädchen und Jungen „ansegeln“. Das war natürlich nicht die optimale Lösung; schließlich hatten sich auch andere Kinder sehnsüchtig Hoffnungen auf den Wiedereinstieg gemacht. Die kommenden Wochenenden werden hoffentlich auch der übrigen Truppe reichlich Gelegenheit zum Segeln verschaffen.

Dennoch: Die Anstrengungen haben sich gelohnt. Auch wenn vielen Helferinnen und Helfern alle Knochen nach diesem Wochenende weh tun, ist der Saisonstart geschafft. Und die entwickelten Regeln und Pläne für diese unruhigen Zeiten sollten gewährleisten, dass wir in den kommenden Wochen wieder regelmäßig Jollen- und Dickschiff-Segler an den Start bringen können. Arbeiten wir weiter daran. 😉
Klaas
Gleich kommt das Schwert heraus. Bestimmt … Foto: har Sechs Optis hatten ursprünglich auf das Wasser gebracht werden sollen. Das Wetter ließ nur zwei zu. Foto: cat Einer der wenigen stillen Momente auf dem Wasser. Foto: cat Sitzt, passt, aber wackelt noch ein bisschen zu viel. Foto: cat So langsam wird aus dem Ruder- ein Segel-Kutter. Foto: cat Dieter und Finja verschrauben eine Saling. Foto: cat Stephan und „Jojo“ beim Auftakeln: Vater und Sohn müssen wenigstens keine Rücksicht auf Abstand nehmen. Foto: cat Und bei diesem Wind sind die kleinen Optis schnell auf der anderen Seite der Kieler Förde. Foto: cat Schriftwart Dieter schaut auf der „Regulus“, ob hier alles an seinem Platz ist. Foto: cat Bevor der Mast gestellt werden kann, muss erst das ganze Drahtzeug entknotet werden … Foto: cat Schön festhalten, bis Wanten und Stag verschraubt sind. Foto: cat Auf dem Weg zurück an den Steg. Foto: cat Halbierte Segelfläche, aber so schnell wie immer. Es pustet ganz schön auf der Förde. Foto: har Louis hängt das Ruder ein. Janek gibt so lange Stabilität. Foto: cat Arne macht sich mit der verkleinerten Segelfläche auf den Weg. Foto: cat Für einen kleinen Schnack auf Abstand bleibt zum Glück immer noch Zeit. Foto: cat Mmmh, so viele Segel… wo kommen die nur alle hin? Foto: cat Aller Anfang ist mühselig. Malte steckt die Achterleinen auf die richtige Länge. Foto: cat Leinen belegt, Fender hängen draußen, die erste Tour der Saison ist vorbei. Foto: har Für das Wassern der Boote braucht es doch einige Leute, aber untereinander alle auf Abstand. Foto: fe „Jojo“ hält die Vorleine, damit die Varianta auch im Wasser landet und nicht mit dem Bug auf dem Steg. Foto: har Bloß nicht fallen lassen. Andererseits … Stefan, der im Boot ausharrt, kann schwimmen. Foto: fe Das ist mal ein Ausleger. Kranführer Thomas nutzt sein Gerät so, dass die Boote gar nicht so sehr bewegt werden müssen. Foto: fe Das sind Masten, die noch ohne Kran gestellt werden können. Foto: fe Es geht nicht um Plätze und Punkte – aber das Handling soll schon passen. Foto: fe Inspektion: Im Wasser zeigt es sich, ob die ganze Winterarbeit etwas getaugt hat. Foto: fe Beim ersten Mal in der Saison gibt es auch Einzelbetreuung auf dem Wasser. Foto: fe Nach dem Segeln ist vor dem Segeln. Louis und Arne machen ihr Gerät wieder sauber und trocken. Foto: Fe Das ist ein Trumm. Jan überzeugt sich davon, dass am Kranwagen auch alles fest sitzt. Foto: Jörn Die ersten Schläge mit den Optis, das Wetter ist allerdings alles andere als optimal. Foto: Jörn Einer arbeitet, einer lässt arbeiten … 😉 Foto: har Letzte Handgriffe, dann darf „Fritjof“ in die Förde. Foto: har Kommt ein Kutter geflogen… Den Spaziergängern und Fahrradfahrern muss allerdings bedeutet werden, dass es keine gute Idee ist, unter schwebenden Lasten hindurchzuwollen. Foto: har Kranführer Thomas weiß, dass er bei unserem Schmuckstück, dem ZK-10-Kutter gut aufpassen muss. Foto: har Jörn lernt das Fliegen – wie „Fritjof“, in dem er gerade sitzt, auch. Foto: har „Soll ich da mal reinklettern?“ Stefan ahnt, dass es wahrscheinlich wieder Probleme mit dem Kielschwert bei diesem Boot geben könnte. Foto: har So lange vorbereitet – und nun macht uns „Regulus“ wieder Ärger mit dem Kielschwert. Wie jedes Jahr … Foto: har Ehrlich, es ist noch gar nicht richtig zwischen den Ohren angekommen. Wir segeln wieder! Foto: har Noch etwas ungewohnt: Die Boote suchen sich im Hafenbecken die richtigen Liegeplätze für diese Saison. Foto: har Angekommen. Die Achterleinen von „Fritjof“ sind schon einmal belegt. Foto: har Die Masten von „Fritjof“ stehen wieder. Foto: har Zwei Boote sind gekrant. Aber damit ist nur der Startschuss für den nächsten Arbeitsschritt gefallen. Foto: har Es ist endlich leerer in der Bootshalle. Die „Insassen“ sind wieder da, wo sie eigentlich hingehören. Foto: har Windstärke 5, in Böen 7 – selbst bei der Optimist-Jolle muss unter diesen Bedingungen die Segelfläche verkleinert werden. Foto: har Eine Corona-Maske für den fleißigen Kranführer Thomas: Tina hat das handgefertigte Schmuckstück gleich übergeben können. Foto: hin