
Am Freitag, dem 5. Juni 2026, hieß es für die Crew der „Spurlos“: Leinen los zur 24-Stunden-Regatta in Möltenort. Mit an Bord waren Skipper Oli sowie die Crewmitglieder Arne von der „Nyfiken“ (Spaekoker) und Jörni. Um 17:30 Uhr legten wir in Düsternbrook ab und erreichten pünktlich um 18:03 Uhr die Steuermannsbesprechung in Möltenort. Nach erfolgreicher Anmeldung nahmen wir unseren GPS-Tracker entgegen. Die wichtigste Voraussetzung für die Wertung war die Umrundung der ausgelosten Gefahrtonne 3 auf Höhe von Bagenkop auf der Insel Langeland. Vor dem Start verabschiedete uns Claire mit einem liebevoll zusammengestellten Proviantpaket und winkte uns zum Abschied hinterher. Um 19:00 Uhr fiel schließlich der Startschuss für insgesamt 15 teilnehmende Schiffe. Das größte Boot maß 50 Fuß, das kleinste war unsere „Spurlos“ mit ihren 26 Fuß.

Trotz der überschaubaren Teilnehmerzahl herrschte an der Startlinie reger Betrieb. Bereits am Abend entwickelte sich die Regatta zu einem wunderschönen Segelerlebnis. Der Wind wehte aus Westnordwest und ermöglichte uns bei Halbwind bis Raumschotskursen eine durchschnittliche Geschwindigkeit von etwa fünf Knoten auf dem Weg zur Tonne.
Die typische Ostseewelle zeigte sich zwar etwas ruppig und brachte die „Spurlos“ gelegentlich ins Schlingern, doch zum Glück hatten wir für das Abendessen vorgesorgt: Kassler, Sauerkraut und Kartoffeln stärkten die Mannschaft für die Nacht.
Ein besonderes Highlight war der Sonnenuntergang auf Höhe des Kieler Leuchtturms. Dabei konnten wir beobachten, wie die Kreuzfahrtschiffe „Norwegian Sun“ und „Costa“ offenbar ebenso wie wir den spektakulären Anblick genossen. Faszinierend war erneut die Erfahrung einer Sommernacht auf der Ostsee: Es wird nie wirklich dunkel, und ein heller Dämmerungsschimmer wandert die ganze Nacht über am Horizont entlang.

Gegen 1:00 Uhr nachts erreichten wir die Tonne, umrundeten sie und traten sofort den Rückweg an. Die Wettervorhersage hatte angekündigt, dass der Wind ab etwa 5:00 beziehungsweise 6:00 Uhr deutlich nachlassen und von West über Süd auf Südost drehen würde.
Auf dem Rückweg mussten wir mehreren Containerschiffen sowie einem Schlepper ausweichen. Mit dem verbleibenden Wind erreichten wir schließlich wieder die deutsche Küste. Doch auf Höhe von Kalifornien bei Schönberg herrschte nahezu Flaute. Nun galt es, einzelne Windfelder aus der Thermik des Morgengrauens aufzuspüren.
Mit der einsetzenden Winddrehung nahmen wir Kurs auf den Nordhafen von Kiel-Schilksee. Dort zeigte die Rollfockanlage beim Bergen der Genua erste Schwächen. Anschließend liefen wir Wendtorf an, wo Oli die Anlage kurzerhand reparierte. Da der Wind inzwischen wieder aufgefrischt hatte, wechselten wir gleichzeitig von der Genua auf die Fock.

Mittlerweile machte sich die Müdigkeit bemerkbar. Doch die Spannung der Regatta und das Regattafieber hielten uns wach. Zwar döste gelegentlich der eine oder andere kurz vor sich hin, doch mindestens zwei Crewmitglieder waren jederzeit aufmerksam und einsatzbereit.
Von Wendtorf aus segelten wir erneut nach Schilksee, diesmal in den Südhafen, um weitere Bonusmeilen zu sammeln. Dabei galt die Regel, dass zwischen den angelaufenen Häfen jeweils mindestens vier Seemeilen liegen mussten. Nach dem Auslaufen aus Schilksee schlief der Wind jedoch erneut ein. Unsere ursprüngliche Idee, in der verbleibenden Zeit noch vom Wiker Hafen nach Laboe zu segeln, mussten wir daher begraben. Stattdessen liefen wir erstmals den Wiker Hafen an und schafften es anschließend noch bis zur Spitze der Heikendorfer Bucht.
Nach 24 Stunden dann doch zu müde für eine große Feier
Inzwischen war es Samstag, der 6. Juni 2026, und die Uhr zeigte 18:45 Uhr. Nach und nach trafen auch die übrigen Regattateilnehmer in der Kieler Innenförde ein. Um 18:50 Uhr überquerten wir schließlich erschöpft, aber glücklich die Ziellinie. Die Auswertung und Siegerehrung begannen erst um 21:30 Uhr. Die Freude war groß, als Oli den Preis für unseren Gruppensieg entgegennehmen durfte. Gegen 22:30 Uhr verließen wir die Veranstaltung und machten uns auf den Weg zurück in unseren Heimathafen, den wir gegen 23:00 Uhr erreichten. Den ursprünglich geplanten Besuch im „Tucholsky“, um dort andere Regattateilnehmer zu treffen und den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen, verwarfen wir schließlich angesichts unserer Müdigkeit. Nach 24 Stunden auf See, vielen gesegelten Meilen, wenig Schlaf und einer gehörigen Portion Teamgeist bleibt vor allem die Erinnerung an eine großartige Regatta und eine starke Crew.
Jörni

