Mit dem weißen Wal auf der Förde

Videos: Christiane

Plötzlich erhebt sich querab in der Nähe des Marinestützpunkts ein weißer Rücken aus der Kieler Förde. Ein Schweinswal? Falsche Farbe. Delphin und Tümmler passen auch nicht ins Schema. Als sich der Kopf kurz abzeichnet, ist jedoch klar, dass es sich hier in jedem Fall um einen Wal handelt, der gerade parallel zu unserem Kutter „Aneesa“ unterwegs ist. Die Crew reagiert fix und hebt ein Smartphone; denn diese Sichtung ist nun doch reichlich ungewöhnlich. Schnell wird die Begegnung bei Instagram hochgeladen und ein Journalist unseres Vertrauens markiert. Die Redaktion der Kieler Nachrichten meldet sich ganz schnell, und Frank Behling fragt alle nötigen Daten für eine Veröffentlichung ab. Ob es ein Beluga ist, vielleicht sogar das selbe Tier, das vor einigen Wochen in der Flensburger Förde gesichtet worden ist, muss zunächst Spekulation bleiben. Spektakulär ist das Ereignis für die „Aneesas“ jedoch in jedem Fall.

Pfingstwochenende bedeutet Segeln und vor allem Vorbereitung für die Marinekutterregatta. Pfingsten bedeutet allerdings auch Urlaubszeit, und in diesem Jahr heißt das: Die Beteiligung ist, nun ja, übersichtlich. Die Crew der „Aneesa“ ist zumindest so zahlreich dabei, dass zumindest ein Kutter alle drei Tage auf die Förde kann. „Fritjof“ bleibt dagegen frisch überholt, repariert, mit allerlei neuen Beschlägen ausgerüstet, segelfertig im Hafen liegen. Manöver Kutter gegen Kutter müssen deshalb in diesem Jahr leider ausfallen.

Drei Menschen in roten Shirts beugen sich über den Rand eines Bootes über das Wasser.
Wo ist der verflixte Schraubenschlüssel geblieben? Christiane, Malte und Nils versuchen sich in intensiver „Recherche“. Foto: mor

Freitag und Sonnabend hatten zunächst kleine Restarbeiten an den Kuttern erledigt werden müssen. Und wie Murphy’s Law es verlangt, gingen dabei auch zwei Schraubendreher und ein ziemlich teurer Schraubenschlüssel über Bord. Nils schaffte es dann mit einem Kescher zumindest einen Schraubendreher wieder an Land zu holen. Der war sehr aufsehenerregend beim Drehen des Spanners im Vorstag von „Aneesa“ wie ein Geschoss weggeflogen – glücklicherweise ohne jemanden zu verletzen.

Zunächst stand ganz entspanntes Manöverfahren auf dem Programm: Wende, Halse, Wende, Halse … Und natürlich hieß es, das frisch von Nils und Helfer:innen-Crew eingebaute neue Schwert zu testen. Und? Es funktioniert. Zum ersten Mal seit Jahren läuft dieser Kutter vor dem Wind wieder mit aufgeholtem Ballast – ohne Furcht haben zu müssen, das Schwert nicht wieder herunterlassen zu können.

Rotes Segelboot mit zwei Masten fährt durch einen Hafen.
Ablegen: „Aneesa“ geht wieder auf Tour. Foto: har

Unterschied Nummer zwei zu den vorhergehenden Jahren: Das Wetter ist gut. Waren alle Beteiligten in 2025 und 2024 jeden Tag nass bis auf die Haut, muss in diesem Jahr heftig Sonnenmilch verteilt werden. Zwischendurch eine kleine ausgedehnte Pause mit Dörtes Schokoladenkuchen am Vereinssteg – es kann einem wirklich schlechter gehen beim Segeltraining. Am ersten Tag war der Wind passend schwach, um einfach mal alles auszuprobieren; am zweiten Tag reichte es, um am Wind schon ziemlich nass im Boot zu werden. Ohne Regen wohlgemerkt.

„Aneesa“ kommt nach einem langen Segeltag zurück. Video: har

Neben der Walsichtung freuten wir uns alle über ein zweites außergewöhnliches Ereignis: Stefan „Logge“ Kienberger und Axel Baas hatten von früh bis spät in der kochend heißen „Johanna“ gewerkelt, um dort am Innenborder zu arbeiten. Und zunächst sah es nicht gut aus. Die Bilge im Motorraum stand voll altem Öl, und der Anlasser produzierte das Knacken eines Relais und dann viel zu viel Wärme – sprich: einen heftigen Kurzschluss. Und auch wenn an der Elektrik noch zu arbeiten ist, der Spritschlauch noch Luft zieht und ein Impeller gewechselt werden muss: Die beiden bekamen es hin, den Motor nach Jahren wieder zum Laufen zu bekommen. Chapeau!!! Wer es hören möchte, kann es hier tun. 😉
Klaas

Er läuft wieder … Video: Logge