
Es war ein warmer erster Regattatag, sowohl drinnen als auch draußen. Dabei hatte er ganz anders angefangen: Mitten in der Nacht waren gegen halb drei Uhr Sturmböen durch das Seglerlager im Kieler Marinestützpunkt gezogen. Pavillons, Zelte, Gestühl, alles mögliche flog durch die Luft. Bei der Marine-Jugend Braunschweig verabschiedete sich ein Pavillon komplett, ein weiterer ließ vorsichtshalber sein Dach auf den Boden rutschen, und auch das Unterkunftszelt wackelte bedenklich. In kurzer Zeit wurden Sturmleinen geriggt, lange Häringe eingeschlagen. Und am Morgen im Sonnenschein beim Frühstück sah schon alles viel besser aus.

Vormittags mussten zunächst die Regularien abgearbeitet werden: offizielle Anmeldung bei der Regatta-Organisation, Prüfung, ob die Meldegebühr bezahlt wurde, und dann endlich die Skipper-Unterrichtung für den ersten Wettkampftag. Wie im vergangenen Jahr war anschließend noch ein bisschen Zeit, um das „Open Ship“ wahrzunehmen oder sich sonst ein bisschen die Zeit zu vertreiben, bis dann gegen 13 Uhr alle 35 Crews der Offenen Klasse und der Klasse ZK-10 in ihre Kutter stiegen.


Dass das Schwert von „Aneesa“ zickt, waren wir alle ja über mehrere Jahre gewohnt; nun funktioniert es einwandfrei. Beim Ablegen zur ersten Wettfahrt gab es wieder ein Schwert-Hindernis: und zwar bei „Fritjof“. Der Sicherungsbolzen ließ sich partout nicht lockern; der kleine Schreckmoment konnte aber mit einem größeren Hammer aus dem Fundus des Betreuungs-Teams schnell gelöst werden. Die drei Marine-Jugend-Kutter aus Braunschweig und Kiel kamen dann weitgehend gleichzeitig von der Mole los.

Der Nachmittag brachte dann zwei weitgehend ruhige Wettfahrten im olympischen Dreieck, eine davon verkürzt. Mehr gab der Wind dann eben doch nicht her. Die drei MJ-Kutter hielten sich wacker, blieben aber eben doch am Ende des Feldes. Wie sagte es anschließend Momo von der MJ Braunschweig? „Wir haben sie alle vor uns hergetrieben!“ „Aneesa“ hätte sogar noch beinahe einen Platz gutgemacht, wenn ein Marinekutter aus der Offenen Klasse sich nicht aus Unkenntnis der Vorfahrtsregeln ins Heck von „Aneesa“ geschoben hätte. Backbordbug vor Steuerbordbug ist halt noch nicht überall im Land bekannt; braucht seine Zeit, ist ja auch erst im 18. Jahrhundert von der britischen Admiralität eingeführt worden.

Nach dem Anlegen aller Kutter, keinerlei Material- und Personenschäden zeigte sich die Wettfahrtleitung mit dem ersten Tag jedenfalls sehr zufrieden. Wie zufrieden, sah man daran, dass schließlich für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein „Einlauf-Bier“ – oder eine nicht-alkoholische Alternative – ausgeschenkt wurde. Wie der zweite Regattatag aussieht, wird erst am Morgen bekannt gegeben werden. Eigentlich ist eine Langfahrt geplant; die steht aber in den Sternen, weil die Wettervorhersage einen Wind prognostiziert, der ein massives Kreuzen quer durch das Fahrwasser Richtung Außenförde zur Folge hätte – keine Bedingung, die die Wettfahrtleitung zuließe. Aber man hat ja ein bisschen Hoffnung. In jedem Fall sind in den ersten Wettfahrten wieder in paar kleine technische Herausforderungen aufgetreten, die im Lauf der Kutterregatta angegangen werden soll – so das Handling des Spinnakers bei „Aneesa“. Das soll gefälligst klappen, wo doch jetzt das Schwert so gut funktioniert … 😉
Klaas



