
Nur noch wenige Tage bis zur Kieler Woche und zur Marinekutterregatta. War das nicht alles vor kurzem noch so weit hin? Die Zeit zum Trainieren ist wie im Fluge verstrichen, und die Boote waren zudem ja noch gar nicht so lange im Wasser. Wer am späten Nachmittag in den vergangenen Tagen zum Sportboothafen ging und nach den beiden ZK-10-Kuttern schauen wollte, wurde öfter überrascht, dass die beiden Boote gerade für einen Schlag fertig gemacht wurden.

Segeln lernt man durch Segeln. Vor allem die Routine-Abläufe sollen in jeder Situation „sitzen“. Jörni macht das in seiner ganz eigenen Routine mit liebevoller Wiederholung und Erklärung. Selbst wenn ihm doch etwas an Bord gegen den Strich geht, nutzt er selten das laute Wort, sondern vielmehr eine freundliche, doch eher rhetorische Frage … 😉 Auf dem Nachbarkutter ist es genauso ruhig. Das lautstarke gegenseitige Anbrüllen, das andernorts üblich ist, fehlt hier in Gänze. Sarah führt „Aneesa“ durch beginnende Manöver und notfalls eine gerunzelte Stirn. Sollte sie doch einmal laut werden, ist es wie bei Jörni auf „Fritjof“: Als angesprochene Person darf man sich „warm anziehen“. Beruhigend: Die Betroffenen sind eigentlich nie im eigenen Kutter …
Noch ist das heimische Revier unser eigenes. Andere Kutter verirren sich doch selten hierher. Und deshalb sind die Tage vor der Kieler Woche sehr familiär. Einige Fotos vom Training liefern uns die Kieler Nachrichten: Redakteur Frank Behling, DIE Koryphäe für alles, was schwimmt, egal wie es angetrieben wird, hält die Kamera in unsere Richtung. Danke! 😉

Kleinigkeiten müssen geübt werden, gerade wenn sie noch ungewohnt sind – wie zum Beispiel ein funktionierendes Schwert auf „Aneesa“. Hat jemand das Schwert vor dem Wind hochgeholt? Ach ja, das geht ja nun … Nils, Christiane, Jörni und Klaas basteln zudem noch auf den letzten Pfiff. So hat die elende Plackerei beim Ausösen von „Aneesa“ ein Ende: Zwei mobile elektrische Bilgepumpen, eine Batterie und ein Schaltkasten später ist nicht mehr jeder Regenguss ein Schrecken. Die ungewollten Löcher im Boot, enstanden durch eine wackelige Fußraste, sind abgedichtet. Wird bis nach Ende der Regatta halten. „Fritjofs“ Pinne ist durch eine Pinnenverlängerung mal eben aufgewertet worden. Und der Spinnakerbaum-Beschlag am Großmast, der mit allen sechs Schrauben einfach so herausgezogen werden konnte, ist auch wieder fest.

Auch ein bisschen Nachhilfe an Bord von „Aneesa“ in Sachen Spinnaker-Segeln ist unter Jörnis Aufsicht erfolgreich gewesen. Unser roter Kutter hat so einige Eigenheiten. Das nicht funktionierende Schwert war eine gewesen. Aber auch sonst hat das Boot „Charakter“. So ist der Spinnakerbaum-Beschlag ungewöhnlich hoch angebracht und vernietet, was bei jedem Setzen des Großsegels ein Kuddelmuddel mit der Reihleine verursacht. Der gebrauchte Spi-Baum stammt zudem vom „freien Markt“ aus den Kleinanzeigen. Aber nun passt es irgendwie alles zusammen. Und „Aneesa“ kommt plötzlich auch vor dem Wind auf mehr als sechs Knoten Fahrt. Aber bei allen Vorbereitungen zählt ab dem kommenden Woche nur eins, nämlich Jörnis Credo, das er vor jeder Kieler Woche ausgibt: „Wir wollen alle zusammen Spaß haben; nur darauf kommt es an!“ Dem ist, wie auch in 2025, 2024, 2023 …, nichts hinzuzufügen!
Klaas


