{"id":3817,"date":"2020-09-09T21:54:06","date_gmt":"2020-09-09T19:54:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.marinejugend-kiel.de\/?p=1917"},"modified":"2020-09-09T21:54:06","modified_gmt":"2020-09-09T19:54:06","slug":"wie-mit-der-strassenbahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.marinejugend-kiel.de\/index.php\/2020\/09\/09\/wie-mit-der-strassenbahn\/","title":{"rendered":"Wie mit der Stra\u00dfenbahn &#8230;"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/wp.mj-kiel.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/Kutterzieleinlauf-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1926\"\/><figcaption>Der letzte Schlag in Richtung Ziellinie vor der Kulisse des Olympiahafens Schilksee: Nach einer Stunde Fahrt war die Kutter-Flotte bereits am ersten Ziel angekommen. Foto: har<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein bisschen Bammel hatten wohl alle, auch wenn es niemand zugab: Heute Morgen ging es erstmals mit den Kuttern in einer Kieler-Woche-Wettfahrt \u00fcber eine vergleichsweise lange Strecke aus der Innenf\u00f6rde bis zum Olympiahafen Schilksee. Das Boot, das uns f\u00fcr den heutigen Tag zugelost worden war, befand sich in gutem Zustand. Allerdings hatten die Vornutzer das laufende Gut eher nachl\u00e4ssig behandelt. Da mussten wir zun\u00e4chst aufr\u00e4umen. Und auch die Segel waren sechs Jahre \u00e4lter als beim Boot am Tag zuvor. Wir sollten es sp\u00e4ter merken, wenn wir die letzten Winkelgrade herauskitzeln mussten, um m\u00f6glichst hoch an den Wind zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.marinejugend-kiel.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/001-1-1024x681.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1918\"\/><figcaption>An Bord unseres Kutters ist man nicht schlecht gelaunt, h\u00f6chstens ersch\u00f6pft. Und J\u00f6rn als Kutterf\u00fchrer war zum Gl\u00fcck auch nicht aus der Ruhe zu bringen. Foto: har<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Chef-Organisator Thomas Geburzky gab vor dem Auslaufen noch jeder einzelnen Crew ein paar Worte mit auf den Weg. Bei uns sagte er unter anderem: \u201eIhr k\u00f6nnt richtig gut segeln. Und das konnte man gestern wieder sehen. Und damit muss Euch auch klar sein, dass Euer eigener Kutter \u201eFritjof\u201c nicht wettbewerbsf\u00e4hig ist.\u201c Wir sollten weitermachen wie bisher, sagte er \u2013 mit einem Augenzwinkern in Richtung J\u00f6rn, dass das nicht als Unter-Druck-Setzen gemeint sei. J\u00f6rn hatte die Pinne heute \u00fcbernommen und musste sich wie die Meisten von uns erstmal an das andere \u201eBaumuster\u201c bei den Kuttern gew\u00f6hnen. Eine sehr kurze Eingew\u00f6hnungs-Phase, weil wir ziemlich sp\u00e4t mit dem Aufriggen fertigwurden und schnell in Richtung Startlinie kreuzen mussten. J\u00f6rn bekam wie alle anderen Steuerleute einen Tracker ausgeh\u00e4ndigt, damit der Standort der Boote genau nachzuverfolgen war. \u201eKielerWoche.tv\u201c begleitete das Spektakel zudem mit einem Kamerateam und Drohne, um die Wettfahrt live auf Gro\u00dfbildleinw\u00e4nde in Kiel \u00fcbertragen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.marinejugend-kiel.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/004-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1921\"\/><figcaption>\u201eSchmetterling\u201c \u2013 und das \u00fcber eine halbe Stunde lang: Der erste Kurs in Richtung Schilksee wurde mit kr\u00e4ftigem Wind von achtern, ausgebaumter Fock und aufgeholtem Schwert absolviert. Foto: har<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste Start um zehn Uhr klappte aber hervorragend, und wir gingen im guten Mittelfeld auf die Bahn in Richtung Norden. Die gesamte Kutterflotte blieb verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig nah beisammen. Nach und nach erinnerten wir uns an die Kleinigkeiten, die wichtig f\u00fcr den Vortrieb sein konnten \u2013 und schauten uns auch bei den \u201eMitbewerbern\u201c etwas ab. Als erstes bemerkten wir, dass die meisten anderen Kutter auf dem Vorwind-Kurs die Spieren nicht vor, sondern hinter den Masten fuhren. Wenn das alle machten, wollten wir uns ja nicht dumm stellen, schifteten Gro\u00df und Besan und siehe: Die Segel standen tats\u00e4chlich besser als vorher. Nach dem Ausbaumen der Fock und dem Aufholen des Schwerts fing \u201eK-11\u201c an zu marschieren. Immer weiter schlichen wir uns im Feld nach vorn, bis wir zwischen M\u00f6ltenort und Laboe pl\u00f6tzlich auf dem zweiten Platz fuhren, den letzten Kutter vor uns immer n\u00e4her herankommen sahen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.marinejugend-kiel.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/002-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1919\"\/><figcaption>Die Kutter-Flotte im \u201eSchmetterling\u201c-Modus l\u00e4uft vor dem Wind wie auf Stra\u00dfenbahn-Schienen in Richtung Norden. Foto: har<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann schwenkten wir an der Tonne 3 wie vorgeschrieben in Richtung Schilksee. Und dort erwischten uns die Regatta-Vorfahrtsregeln, die letztlich den Ausschlag daf\u00fcr gaben, dass wir im Feld wieder zur\u00fcckgereicht wurden und die Ziellinie vor der Kulisse des Olympiahafens nach etwas mehr als einer Stunde Wettfahrt als Achte \u00fcberquerten. Kein Grund f\u00fcr \u00c4rgernis und Entt\u00e4uschung: Recht frohgemut lie\u00dfen wir die Segel killen und trieben vor dem Hafen hin und her, um die Mittagspause an Bord zu verbringen. Landgang war uns wegen der strengen Hygiene-Regeln untersagt. Das Angebot der Organisatoren, einzelne Seglerinnen oder Segler mit einem \u201edringenden Bed\u00fcrfnis\u201c per Boomeranger zu einer Toilette zu bringen, wurde freundlich abgelehnt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.marinejugend-kiel.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/007-1024x681.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1924\"\/><figcaption>Lunchpaket wie in der Jugendherberge: Mittagspause an Bord des Kutters vor dem Olympiahafen. Foto: har<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen Viertel vor zw\u00f6lf rauschte ein Motorboot heran, und die Schiedsrichter unterrichteten uns dar\u00fcber, dass um zw\u00f6lf Uhr der Start zur f\u00fcnften Wettfahrt erfolgte. Allen war klar, dass es nun um eine heftige Kreuz ginge. Die Fahrt wie auf Stra\u00dfenbahn-Schienen vom Morgen w\u00fcrde sich erledigt haben. Und genau so war es auch. An der Startlinie funktionierte es nicht ganz so gut wie am Morgen. Aber wir waren selbstbewusst genug, um auch von hinten wieder ein paar Pl\u00e4tze gutmachen zu k\u00f6nnen. So leicht es auf der Hinfahrt gewesen war, \u201edicken P\u00f6tten\u201c auszuweichen und im Fahrwasser zu bleiben, so anspruchsvoll wurde es nun, Untiefen und Sperrgebieten, Frachtern und F\u00e4hren auszuweichen. Einige Halsen und Dutzende Wenden sp\u00e4ter waren wir wieder in der Innenf\u00f6rde. Und tats\u00e4chlich hatten wir bis dahin erneut einige andere Kutter hinter uns gelassen. Einen kleinen Piekser gab es dann aber doch direkt auf der Ziellinie: Um sicher zu gehen, hatten wir etwas zu lange ausgeholt. Und prompt fing uns ein anderes Boot direkt auf der Linie ab. Wieder Platz acht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.marinejugend-kiel.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/003-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1920\"\/><figcaption>Egal in welcher Situation: Schiedsrichter waren immer in Reichweite. Foto: har<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Abgespannt, mit wehen H\u00e4nden und R\u00fccken sowie klatschnass segelten und pullten wir zur\u00fcck in den Bootshafen, takelten ab und gaben das Boot wieder an die freundliche Hafenbesatzung zur\u00fcck. Auf dem Weg zu unserem Zelt begegneten wir noch der sympathischen Crew von der Marineunteroffizierschule in Pl\u00f6n und tauschten unsere Erlebnisse aus. Wir m\u00fcssen wirklich einen m\u00fcden und hungrigen Eindruck hinterlassen haben, denn die Pl\u00f6ner gaben uns gleich einige Runden schwedische Haferkekse aus. Auf jeden Fall waren die langen Wettfahrten eine wunderbare Abwechslung und echte Herausforderung im Vergleich zu den \u00fcblichen Kursen, die sonst abzufahren sind. Aber um die k\u00fcmmern wir uns morgen wieder. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.marinejugend-kiel.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/006-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1923\"\/><figcaption>Da hatten wir noch (fast) alle hinter uns&#8230; Foto: har<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Norddeutsche Rundfunk behauptete \u00fcbrigens sowohl in seiner 18-Uhr-Sendung als auch im Schleswig-Holstein-Magazin, dass heute ja bei der Kieler Woche \u00fcberhaupt nicht gesegelt wurde &#8230; Daf\u00fcr, dass die Kutterflotte eine gute Stunde lang mit Tross und Startschiff direkt vor dem Hafen Schilksee zwischen den beiden Wettfahrten des Tages Pause machte, hin- und herkreuzte, ist das doch eine eher uninformierte Sichtweise &#8230; \ud83d\ude09<br><em>Klaas<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein bisschen Bammel hatten wohl alle, auch wenn es niemand zugab: Heute Morgen ging es erstmals mit den Kuttern in einer Kieler-Woche-Wettfahrt \u00fcber eine vergleichsweise lange Strecke aus der Innenf\u00f6rde bis zum Olympiahafen Schilksee. Das Boot, das uns f\u00fcr den heutigen Tag zugelost worden war, befand sich in gutem Zustand. 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