Schwergewichte sitzen hoch und trocken

Husch, husch, ins Körbchen … Kutter „Fritjof“ fliegt direkt aus der Förde zu seinem Winterliegeplatz vor dem Marineheim. Foto: Fe

Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Nachdem der zunächst geplante Kran-Termin für die großen Boote wegen der schaurigen Wettervorhersage im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser gefallen war, zog eine kleine Truppe die Aktion nur drei Tage später in Windeseile durch. Ursprünglich hatten die Boote an einem Freitag gekrant werden sollen – mit reichlich Vorlauf und genug „Personal“ zum Helfen. An einem Montagnachmittag sind die Mitglieder natürlich nicht ganz so leicht zu mobilisieren, wenn Schule, Universität und Arbeitgeber völlig zurecht Vorrang in der Zeitgestaltung erhalten. Aber komisch: Irgendwie klappt es immer, dass genau die passende Anzahl „Mitarbeitender“ ihren Weg zum Vereinsgelände findet. 😉

Muscheln ernten: Die Arbeits-Crew befreit den Kutter von unerwünschten Mitreisenden. Foto: Fe

Alle geplanten Boote waren ebenfalls rechtzeitig am Steg – wichtig, weil der stärkste „Arbeitsmuskel“, Thomas mit seinem großen Fahrzeugkran, sogar früher als geplant an der Kiellinie angekommen war. Auch über das Wetter gab es keine Beschwerden: wenig Wind und ansonsten so schlecht und trübe, dass sich niemand darüber ärgern musste, anderweitig vielleicht etwas zu verpassen.

Sitzt, passt, wackelt … „Fritjof“ ist auf seinem Winterwägelchen angekommen. Foto: Fe

Als erstes schwebte die „Regulus“ an Land. Und niemand, der das Boot und unsere Kran-Aktionen kennt, wunderte sich darüber, dass die kleine Varianta die gleichen „Zicken“ machte wie sonst auch – sprich: Wenn es ins Wasser geht, will das Kielschwert nicht ausfahren; geht es aus dem Wasser heraus, will das Kielschwert nicht wieder rein. Aber mit gutem Zureden, Schraubenzieher, Hammer und passendem Spray drückte es sich eben irgendwann doch in den Rumpf. Auch wie immer…

Ruder ist ab. Dann ist das Hinterteil des alten ZK-10 auch nicht ganz so schwer. Foto: Fe

Eine – positive – Überraschung gab es allerdings an allen Booten: Das obligatorische Befreien von Bewuchs fiel recht übersichtlich aus. Die Seepocken hatten zwar erneut jede erdenkliche Lücke gefunden. Aber sie waren nicht im gleichen Umfang an den Unterseiten der Boote kleben geblieben wie in den vergangenen Jahren; gleiches galt für die Kolonien aus winzigen Muscheln. Die Möwen, die schon erwartungsvoll mit „umgebundenen Lätzchen“ am Rand des Geschehens auf ein Festmahl warteten, zeigten sich bitter enttäuscht.

Nachdem das große Schlauchboot auf seinen Trailer gesenkt worden war, hob es die Crew zunächst am Bug an, um eventuell in den Zwischenboden eingedrungenes Wasser ablaufen zu lassen. Sagen wir es mal so: 1. In der Winterarbeit warten Abdichtungsmaßnahmen. 2. Die Massen, die aus dem Zwischenboden liefen, ließen uns ernsthaft daran zweifeln, dass das wirklich alles nur aus dem Zwischenboden kommen konnte. Das mit dem Ankippen erwies sich gleich darauf als schlechtes Vorbild. Was der schon kann, kann ich schon lange, schien sich die „Colombina“ nebenan zu denken und setzte ihren Trailer ebenfalls nach achtern in Schräglage, allerdings ungewollt. Und so musste Thomas mit dem Kran erneut kommen, das Boot komplett anheben und diesmal ein Stück weiter vorn wieder auf den Hänger setzen.

Möwen füttern ist in Kiel verboten. Aber diese drei Kumpel werden nicht gefüttert; sie helfen gegen Kost und Logis beim Aufräumen. Foto: Fe

Spektakulär geriet dann wie immer das Kranen von „Fritjof“. Als der Unterboden gesäubert und die frustrierten Möwen abgezogen waren, hob Thomas den alten ZK-10 in einem großen Schwung über die ganze Kiellinie, die Rasenfläche und die angrenzenden Buschreihen bis auf den Parkplatz hinter dem Vereinshaus. Dort wartete bereits die „externe“ Kutterbesatzung mit dem großen Holzwagen und ließ das große Boot langsam und mit viel Gefühl auf das rollende Winterlager herab. Alle gekranten Boote wurden zunächst auf den Parkplatz geschoben und gesichert. Thomas, der mit seinem Kran wieder Super-Arbeit abgeliefert hatte, wurde mit viel Hallo und einer Einladung zur Nikolaus-Regatta verabschiedet. Das endgültige Säubern und Einpacken der Boote war an diesem Tag aber nicht mehr möglich: Als wir schließlich mit allem fertig waren, standen wir in der Finsternis. Der Rest musste bis zum nächsten Gruppennachmittag warten, was beim Hausherren, der Marinekameradschaft, allerdings nicht auf große Freude traf.

Der Kutter bekommt ein Dach für den Winter. Liv und Malte bauen den „Dachstuhl“. Foto: har

Und so ging es fünf Tage später erneut ans Werk. Wieder kam eine kleine unermüdliche Crew zusammen und machte auf dem Vereins-Parkplatz Klar Schiff. Die Boote wurden umfänglich gesäubert, der Platz ebenso. Die „Colombina“ wurde mit Persenning versehen und zum Abtransport fertig gemacht. „Regulus“ und „Fritjof“ erhielten ihre Winterdächer aus Holzgestellen und wurden abgeplant – „Regulus“ auf ihren Liegeplatz bei unseren Nachbarn von der Rudergesellschaft „Germania“ geschoben, das Ruderblatt des Kutters von den Beschlägen befreit und in die Bootshalle transportiert.

Nach dem Saubermachen der Boote folgt das Saubermachen der Umgebung. Ole und Finja schrubben, Christiane spült mit dem Schlauch hinterher. Foto: har

Nach etlichen Stunden Arbeit an diesem Tag waren alle Beteiligten müde, schmutzig und klatschnass. Aber zumindest die wichtigsten Arbeiten im Zusammenhang mit dem Ende der Segelsaison waren damit erledigt. Und am Ende dieses Wochenendes zeigte sich auch der Parkplatz wieder fast komplett frei von jeglichen Booten.
Klaas

Constantin befreit mit allerlei Werkzeug das Ruderblatt des Kutters von seinen Stahlbeschlägen. Foto: har

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