Neue Segel und richtig viel Arbeit

Erstes Ablegen unter neuen Segeln: Die Stimmung an Bord ist etwas angespannt … Foto: Mirco

Was tun, wenn ein richtiger Gruppennachmittag mit Optimisten- und Jollen-Anteil durchgeplant ist, die Anmeldezahlen stimmen, der Sonnenschein vorhanden ist – aber die Windvorhersage zwischen fünf und sieben Beaufort schwankt? Naja, umplanen halt, auch wenn damit die Erwartungen einiger junger Teilnehmerinnen und Teilnehmer für diesen Tag leider nicht erfüllt werden können. Zu tun ist schließlich immer etwas. Heute auch: Gemeinsam mit Ole, Mirco und Michel krempelten Janek, Malte und Guido die Ärmel hoch und begannen mit Dingen, die sonst vorrangig in der Winterzeit abgearbeitet werden: der Prüfung von Arbeiten an Booten, die wieder zum Einsatz kommen sollen.

Hier hilft nur noch Nitro-Verdünnung: Janek befreit Masten von Kleberückständen. In der Vergangenheit waren bei einigen Booten recht wilde Konstruktionen ausgedacht worden, um Verklicker zu befestigen. Foto: har
Malte bastelt neue Mastsicherungen und testet anschließend gewissenhaft, ob die auch so funktionieren, wie er sich das vorgestellt hat. Foto: har
Der Herr der Werkstatt: Guido hakt Arbeitslisten Punkt für Punkt ab, damit in den kommenden Wochen schadhafte Boote sinnvoll instand gesetzt werden können. Foto: har

Janek und Malte legten dann auch gleich massiv Hand an: Eine Optimist-Jolle nach der anderen wurde ins Freie gezogen und einer gründlichen Inspektion unterzogen, kleinere Schäden am Rigg gleich ausgebessert. Bei mehreren Booten hätte ein Gutachter nach der Aufnahme wahrscheinlich den wirtschaftlichen Totalschaden festgestellt; bei uns werden dagegen mit leicht hochgezogenen Augenbrauen die Schäden aufgelistet und gleich die nächsten Arbeitsschritte geplant. Schadhafte Mastduchtringe, Duchten, die sich in Wohlgefallen auflösen, schadhafte Auftriebskörper, da bleibt für die kommende Zeit genug zu tun. Die gute Nachricht: Die beiden „Inspekteure“ fanden auch genug „Optis“ in gutem Zustand, um den weiteren Übungsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten … in den Werkstatt-Bereich: Janek und Stefan sortieren den Optimisten-Bestand in der Bootshalle. Foto: har

Guido schaute sich derweil die größeren Boote und deren Instandsetzungs-Bedarf an. Listen mit den Gewerken wurden an die Boote geklebt und auch hier zumindest grobe Pläne für die kommenden Wochen gemacht. Wenn die Jollen, die zurzeit im Übungsbetrieb eingesetzt werden, in der kommenden Wintersaison ihre Überholung verlangen, soll da möglichst nichts mehr im Wege stehen.

Beim Anschlagen der neuen Segel darf der Kutter halbwegs frei im Wind liegen. Foto: har

Aber wenn wir schon mal am Arbeiten sind, kann ja auch etwas Positives in Angriff genommen werden. Vor rund vier Wochen hatte die zweite Vorsitzenden Tina die neuen Segel für unseren ZK-10-Kutter „Fritjof“ von einem darauf spezialisierten Segelmacher aus Mecklenburg abgeholt. Windstärke fünf und ein bisschen mehr ist nichts, was einen Kutter unbedingt beeinträchtigen muss. Also wurde der von seinem Liegeplatz an den Vereinssteg gesegelt. Und Stephan, Dieter, Liv, Kai, Jan und Cathrine nahmen dort erstmal die alte Segel-Garderobe ab. Sorgfältig wurden die alten, sehr sehr alten Segel in ihre Säcke gepackt und zum Vereinsheim getragen. Auf dem Rückweg kamen dann die brandneuen Segel mit ihren frischen Vermessungsstempeln zum Kutter.

Die neue Fock ist angeschlagen. Da knistert, blinkt und blitzt noch wirklich alles. Foto: har

Mit Respekt und mehr Vorsicht als sonst wurden die neuen Tücher nacheinander angeschlagen. Und schon da stellten wir fest, dass die knisternden Segel schon so gut standen, dass einige Trimm-Verrenkungen, die wir mit den alten Tüchern jedesmal hatten absolvieren müssen, zunächst überflüssig sein werden. Andererseits nervte uns beim Setzen der Segel die kleinste Falte. Und die ganze Aktion dauerte auch wesentlich länger, als wir es vom routinemäßigen Anschlagen der alten Segel gewohnt waren.

Einfädeln der Reihleine am Großsegel: Die darf weder zu weit sein, noch darf sie zu eng anliegen. Foto: har

Nachdem die Garderobe bereit war, fehlte nur noch die Jungfernfahrt zurück zum Liegeplatz. Mit kleinen Umwegen selbstverständlich – wir wollten schließlich wissen, was die Segel so hermachen. Die Windstärken waren ja schon erwähnt worden. In diesem Zusammenhang wollten wir kein Risiko eingehen und legten folglich nur unter Vorsegel und Besan vom Vereinssteg ab. Was soll man sagen? „Fritjof“ bewegte sich über das Wasser, als hätte er einen Turbolader abbekommen. Nur unter den beiden kleineren Segeln fegte der doch eher behäbige Kutter mit 6,6 Knoten über die Förde. Das Großsegel ließen wir daraufhin bis zum Schluss lieber weg. Recht schnell kam der Kutter auch zu seinem Liegeplatz. Zum ersten Mal wurden die neuen Segel aufgetucht. Kais Hinweis, auch das Zusammenlegen besser anders zu gestalten als bisher, nahmen wir dankbar auf. Und so wurden die neuen Tücher nicht mehr zwischen Bäumen und Gaffeln gefaltet, sondern neben den Hölzern in großzügigen Taschen aufgerollt. Staunend und zufrieden standen wir anschließend auf dem Steg neben unserem Gefährt – voller Vorfreude auf die nächste Fahrt, dann möglichst unter vollen Segeln.
Klaas

Das Großsegel ist das komplizierteste Segel. Wenn das steht, geht alles andere etwas leichter. Foto: har
Michel und Ole passen auf die Vorleine des Kutters auf, damit „Fritjof“ nicht von dannen zieht. Foto: har

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