„Mach Dir da mal nicht ins Hemd!“

Das Kreuzen in die Schwentinemündung gerät heute zu einem „Zick-Zack-Stichmuster“. Aber Steuerfrau Liv lässt sich auch von kreuzenden Fährschiffen und Traditionsseglern nicht aus der Ruhe bringen. Foto: har

Heute hätte ins Logbuch des Segelkutters neben den üblichen Eintragungen zu Wetter, Windrichtung und Windstärke eigentlich auch noch die UV-Belastung gehört: Stundenlang strahlender Sonnenschein über der Kieler Förde! Mit einer neunköpfigen Crew ging es aus dem Liegeplatz zum regulären Wochentörn. Die Geschwindigkeit, mit der wir durch das geschützte Hafenbecken rauschten, machte uns klar, dass wir lieber erstmal abwarten sollten, ob wir heute das ganze Tuch an die Masten bringen. Tatsächlich blieb das Großsegel dann angesichts des steten Ostwinds mit vier bis sechs Beaufort unten. Aber „Fritjof“ kam dennoch mit Besan, kleiner Genua und Flieger auf 6,3 Knoten Geschwindigkeit über Grund.

Spannendes Rätsel in Sachen Ausweichregeln: Ein Binnenschiff dreht Vollkreise in der Schwentinemündung, bevor es dann doch zum Beladen anlegt. Foto: har

Kleine Aufgabe heute für Steuerfrau und Crew: Aufkreuzen in die Schwentinemündung – mit dem Wind platt von vorn ein nicht unsportliches Ansinnen. „Klar zur Wende!“ „Ist klar!“ „Reeee!“ Und noch mal und noch mal und noch mal. Die Abstände zu Spundwänden und Liegeplätzen der anliegenden Sportboothäfen wurden immer geringer, die Kommandos immer sparsamer. Zum Schluss reichte Livs „Re!“ von achtern, und alles sprang von einer auf die andere Seite – oder auch nicht … Nachdem wir auch noch der Schwentine-Fähre zweimal ausweichen mussten, drehten wir den Bug zurück zur Flussmündung. Genug geübt. Raumer Wind trieb uns zurück zur Förde. Den zaghaften Versuch, doch noch das Großsegel auszupacken, beendeten wir in Sichtweite der neuerlichen Böenfelder. Nach dem Anlegen waren dann später plötzlich doch viele im Nachhinein ganz mutig und fragten halblaut, warum wir nicht doch unter Vollzeug gesegelt waren …

Vereins-Stander im Backbord-, der Verbands-Stander hier im Steuerbord-Want: Nach einer kleinen Auffrischung in der Flaggenführung durch unseren Sportwart Dennis haben wir unseren Kutter heute komplettiert. Foto: har

Kaum wieder auf der Kieler Förde wurden wir mächtig Richtung Norden geschoben. Stephan als Kutterführer testete den Trimm von Rigg und Segeln und war sehr positiv überrascht. Das große Boot zeigte sich so ausgewogen getrimmt, dass unsere Steuerfrau zeitweise die Hände von der Pinne nehmen konnte. „Fritjof“ segelte aufrecht wie auf Schienen. Deutlich größere Yachten fuhren durch unseren Sichtkreis, zwar mit mehr Segelfläche, dafür allerdings auch mit größeren Schwierigkeiten. Als wir dann den Entschluss gefasst hatten, trotz des Windes nicht nach Laboe durchzusegeln, folgte die Wende Richtung Heimathafen. Liv an der Pinne zeigte sich als Ruhe selbst. Als ein erschrockener Ruf vom Vorschiff kam, der auf einen zweimastigen Traditionssegler auf Gegenkurs hinwies, warf unsere Steuerfrau nur einen kurzen Blick unter dem Besan nach vorn und reagierte mit einem coolen: „Mach Dir da mal nicht ins Hemd“. Sie blieb auf Kurs. Und es kam übrigens nicht zur Kollision …

Eingeschworene Gemeinschaft: Trotz eines manchmal rustikalen Umgangstons halten Kutterseglerinnen und -segler an Bord immer zusammen. Foto: har

Mit dem Heimatkurs hatten wir uns aber doch ein bisschen verschätzt: Als wir rückwärts in unsere Box eingeparkt, die Segel zusammengepackt und verstaut, die Schoten aufgeschossen hatten, blickten wir auf die Uhr und sahen, dass wir viel zu früh eingelaufen waren. „Fritjof“ wird immer schneller. Aber macht nichts: Fe hatte für die Besatzung einen riesigen Beutel Fischbrötchen eingekauft. Und Stephan holte einen großen Korb frischer Erdbeeren aus seinem Wagen. So endete unsere heutige Kutter-Tour mit einem ausgelassenen Picknick auf dem Steg. Darf so weitergehen diese Saison.
Klaas

Heimatlicher Liegeplatz: Glücklicherweise sind von hier aus Vereinsheim, Fischbrötchen-Bude und Speiseeis-Stand nicht so weit weg. Foto: har
Müde, doch sehr zufrieden sitzen wir mit Fischbrötchen und frischen Erdbeeren über unserem aufgeräumten Kutter und besprechen die Segelei der vergangenen Stunden. Foto: Fe
Und ganz nebenbei … war heute auch Red-Hat-Day: Mit den roten Rollmützen erinnern nicht nur Cathrine und Klaas an den legendären Jaques Cousteau, der sich mit seinem Schiff „Calypso“ über Jahrzehnte für den Erhalt der Meere einsetze. Foto: har

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