„Lasst uns mal Fischbrötchen holen …“

Endlich wieder festen Boden unter den Füßen … Liv, Cathrine, Arne und Louis machen auch wirklich einen sehr ausgehungerten Eindruck … Foto: har

Ferienzeit war in den vergangenen Jahren eigentlich überwiegend Ruhezeit im Vereinsleben. Aber angesichts der Einschränkungen der vergangenen Monate lässt auch bei uns niemand freiwillig ein Boot am Liegeplatz dümpeln, wenn es nicht unbedingt sein muss. Und so hieß es für unseren Kutter „Fritjof“ eben auch heute wieder „Leinen los“. Kaum aus dem Hafen heraus stellte Steuerfrau Liv die sehr berechtigte Frage nach dem Wohin. Nicht, dass wir uns vorher darüber Gedanken gemacht hätten – Hauptsache erstmal weg. Der bequemste Kurs war der Richtung Norden. Also ließen wir den Kutter dorthin laufen.

Stephan balanciert auf dem Runzelbord, um den Verbandsstander mit einem Stopperstek wieder in Form zu bringen. In diesem Fall sind Stil und Form wichtiger als der Trimm des Kutters. Foto: har

In Sichtweite der Zufahrt zum Nord-Ostsee-Kanal stellte sich bei der Mehrheit der Besatzungsmitglieder ein unzähmbares Hungergefühl ein. Konsequent wurde die Diskussion um den weiteren Kurs an Bord ausschließlich unter dem Aspekt der Erreichbarkeit akzeptabler Fischbrötchen geführt. Qualitätsgesichtspunkte sowie die Möglichkeit, einen vorzeigbaren Aufschießer vor Publikum auszuführen, reduzierte die Auswahl auf den Tiessenkai in Holtenau. Ganz artig hielten wir uns mit „Fritjof“ von dem Zufahrtsgebiet des Kanals fern und schlugen einen weiten Haken, bis wir vor dem ehemaligen Gelände des Marinefliegergeschwaders 5 einschwenkten. Mit einigen deutlichen Anweisungen von Kutterführer Stephan gelang auch das Anlegemanöver wie erhofft. Unser kleiner Zweimaster machte in Sichtweite der Lokale des Tiessenkais fest – kurz vor einem etwas größeren Zweimaster, dem Marstal-Schoner „Zuversicht“, der ebenfalls am Kai festgemacht hatte. Aufklaren war überflüssig. Der Wind stand so gut, dass die Segel sogar oben bleiben durften. Und die ganze Truppe ließ sich vom inneren Kompass in Richtung Fischbrötchen ziehen.

Das Warten auf das Essen ist viel leichter, wenn man weiß, dass die ersehnten Fischbrötchen alle ganz frisch zubereitet werden. Foto: har

Das Crew-Abendbrot ließ dann noch etwas auf sich warten, denn unsere Bestellung wurde Stück für Stück frisch zubereitet. In der Gewissheit, dass das Grundbedürfnis Nahrungszunahme bald befriedigt wird, war die Zeit aber gut auszuhalten. Es war gutes Wetter, angenehmes Segeln, die Zeit drückte nicht. Also genossen alle die Pause. Cathrine und Liv machten sich zudem auf, mit der Besatzung des Schoners „Zuversicht“ zu schnacken, so von Zweimaster zu Zweimaster … naja, die „Zuversicht“ hat 22,5 Meter mehr Wasserlänge ….

Volle Mägen segeln besser: Liv steuert uns weder von Holtenau weg. Foto: har

Gestärkt legten wir in Holtenau wieder ab und gingen auf Heimatkurs. Den Weg um das Zufahrt-Sperrgebiet des Kanals nahmen wir (fast) so genau wie auf dem Hinweg. Es drängte niemand. Der Wind hatte abgenommen, sodass die Tour regelrechten Kaffeefahrt-Charakter annahm – Louis streckte sich mal eben auf einer Ducht aus und verkündete: „Ich chill hier mal eben.“ Aber auch mit wenig Wind standen die alten Segel wie eine Eins, der Kutter lief mal wieder „auf Schienen“. Zu unserem Erstaunen gelang es einer größeren Yacht auf Parallelkurs nicht, uns zu überholen. Dabei waren bei uns heute nicht mehr als fünfeinhalb Knoten drin.

Auch wenn Stefan so aussieht, als ob er gerade überlege, wie der Achtknoten in der Großschot funktioniert: Er kann ihn – und die übrigen nötigen Knoten in unserem Gewerbe ebenfalls. 😉 Foto: har

Die Heimfahrt verlief weitestgehend ereignislos. „Fritjof“ spulte die Distanz auf einem Bug klaglos ab. Nach einer letzten Wende in die Hafeneinfahrt war allerdings plötzlich nichts mehr mit Segeln. Nun stand der Wind in der engen Einfahrt direkt von vorn. Andere Boote werfen in solchen Momenten ihre Maschinen an. Auf einem Marinekutter dagegen werden die Klappen von den Runzeln gezogen und die Riemen ausgefahren. Sprich: Die letzten Meter bis zu unserem Liegeplatz pullten wir „Fritjof“. Da damit schon die Gelegenheit bestanden hatte, sich gleichzeitig um das Tuch an den Masten zu kümmern, hatten wir in der Box auch gar nicht mehr viel aufzuklaren. Das Boot sauber, die Crew satt und zufrieden – und der nächste Segeltermin ist auch schon vereinbart.
Klaas

Fachgespräche unter Gaffelsegler-Seglern: Cathrine und Liv schauen am Tiessenkai mal bei der TS „Zuversicht“ vorbei. Foto: har
Entspanntes Segeln: Louis und Arne teilen sich die Bedienung der Fock, Stephan hat ein wachsames Auge auf alles. Foto: har
Und wie herum drehte sich gleich noch einmal diese Winsch? Klaas bemüht sich von achtern um den Flieger ganz vorn. Foto: bü
Das übliche Duo im Heck: Liv an der Pinne, Cathrine am Besan. Foto: har

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