In der Regatta richtig „Blut geleckt“

Dieses Boot verträgt so Einiges: Der Marinekutter hat sich nach zehn Wettfahrten zur Kieler Woche bei der Marine-Jugend-Kieler-Förde-Crew ein Grundvertrauen in seine Fähigkeiten ersegelt. Foto: har

Neunter Platz nach zehn Wettfahrten – ein sehr gutes Ergebnis für die Kieler-Woche-Crew der Marine-Jugend Kieler Förde, vor allem wenn man bedenkt, dass das Ergebnis des achten Platzes sogar punktgleich war. In den letzten beiden Wettfahrten erlebten wir noch einmal alle Höhen und Tiefen des Regatta-Betriebs. Eines der offensichtlichen Defizite sind die Lücken in den Kenntnissen der Wettfahrt-Regeln; die anderen Teams haben diese Regeln offensichtlich schon längst genetisch verfestigt. Dass wir da noch aufzuholen haben, ist aber kein Wunder, reduziert sich (aus Gründen) der Regattabetrieb mit dem Kutter doch auf dieses einmalige Ereignis im Jahr.

Mal eben beim Startschiff schauen, ob es etwas Neues gibt: Neu für uns war die Erkenntnis, dass die Regeln, die in der Wettfahrt an jeder Wendemarke gelten, auf der Startlinie ohne Belang sind… Foto: har

Ein großes Plus nach einer Woche Dauerwettkampf auf der Kieler Förde war die Fähigkeit der MJK-Besatzung, sich auf einen Bootstyp einzustellen, der optisch entfernte Ähnlichkeit mit dem gewohnten ZK-10-Modell besitzt, von den Abmessungen, dem Rigg, dem Verhalten auf dem Wasser aber meilenweit von dem kleineren Komfort-Boot entfernt ist. Unter dem Strich bleibt nicht nur die Erinnerung an fünf Tage Spaß und Teamgeist auf dem Wasser, sondern auch ein voller Sack mit Erfahrungen und Gelerntem. Daraus sollten wir nun etwas Dauerhaftes machen, um im kommenden Jahr nicht von vorn beginnen zu müssen. Viele kleine Tricks und Kniffe erleichterten uns im Lauf der Regatta das Kutter-Leben immer mehr; teils waren wir selbst auf diese Lösungen gekommen, teils hatten wir sie uns bei anderen Teams abgeschaut.

Wenn wir alle ganz doll nach vorn schauen, fährt der hinter uns bestimmt nicht in unser Heck. In dieser Situation klappte das – ein anderes Mal nicht ganz so… Foto: har

Heute Morgen waren wir einigermaßen gelassen in einem weißen Kutter mit der Nummer K-22 an den Start gegangen. Wir wussten, dass die Situation zu Beginn von Wettfahrten (noch) nicht zu unseren Stärken gehört, wir aber durchaus in der Lage sind, auch aus einer schlechteren Ausgangssituation im Feld noch richtig aufzuholen. Das erwies sich dann grundsätzlich auch als richtig. Im neunten Lauf landeten wir auf Rang sieben, im zehnten auf Rang acht. Allerdings wurden wir an einer Stelle etwas ausgebremst, was mit einer Blessur am Heck unseres Bootes endete. Noch deutlich vor einer Wendemarke hatten wir uns selbst ausmanövriert, waren so langsam geworden, dass wir vor einem anderen Kutter zwar nicht vorfahrtberechtigt, aber selbst ohne Fahrt durchs Wasser gar nicht mehr in der Lage waren, den Kurs zu korrigieren. Das andere Boot „verzichtete“ auf ein Manöver des letzten Augenblicks und nahm uns voll am Heck mit. Der Knall über der Förde war nicht von schlechten Eltern. Ohne Schiedsrichter in der Nähe und reichlich geschockt kringelten wir um 360 Grad, nahmen also eine Strafe wegen der Vorfahrtsituation vorweg. Später kamen Schiedsrichter mehrfach an unser Boot, ließen sich die Situation erklären und verzichteten auf alle weiteren Maßnahmen, als sie erfuhren, dass wir uns schon um uns selbst gedreht hatten. „Kann passieren“, war die Reaktion, und wir durften unsere Fahrt fortsetzen. Beeindruckt hat uns diese Ramming dennoch nachdrücklich.

Die Kutterflotte auf dem Weg zum Start: Mit dem Wetter hatten wir wieder Glück. Foto: har

Überhaupt müssen wir betonen, dass etliche andere Crews und auch die Schiedsrichter sehr rücksichts- und verständnisvoll mit uns in möglichen seglerischen Konfliktsituationen umgingen. Lockere und fröhliche Sprüche von Boot zu Boot waren die Regel, nicht die Ausnahme. Um ehrlich zu sein: In ZK-10-Wettfahrten mit unserem eigenen Kutter „Fritjof“ fahren wir normalerweise dem Feld so hinterher, dass die besagten Konflikte inmitten der Flotte eigentlich nie auftreten können. So erlebten wir dieses Mal echtes Neuland, und die Frage: „Sind die da wirklich alle hinter uns?“ wurde nicht nur einmal bei uns an Bord gestellt.

Die Regatta-Organisation legt die Wende-Bojen aus. Zwar wurde an drei Tagen das olympische Dreieck gesegelt, die Lage der Bojen wurde aber natürlich den Windverhältnissen angepasst. Foto: har

Dass wir kräftemäßig nach dieser Regatta ziemlich „durch“ sind, stellten wir auch bei der Rückfahrt in den Marinestützpunkt fest, als wir mit noch zu viel Wind in dem mehr schlecht als recht aufgegeiten Groß einen unfreiwilligen Zwischenstopp an einem im Bootshafen gesetzten Dalben machten und schließlich von einem Schlauchboot Richtung Liegeplatz gezogen wurden. Dieses Mal mussten wir das Boot noch gründlicher aufräumen als zuvor: Die auch vom Stützpunkt Kiel zusammengeliehenen Kutter werden Anfang kommender Woche bereits gekrant und wieder in ihre Heimatstandorte gefahren. Die Blessuren unseres Kutters waren aber der Abnahme-Crew schon bekannt und wurden ebenfalls mit einem mitfühlenden „Passiert halt“ quittiert. Hungrig wie die Wölfe machten wir uns dann in unserem Crew-Zelt über einen Haufen belegter Brote her.

Käse, Wurst, Schinken, egal – Hauptsache, es gibt ganz schnell etwas aufs Volllkornbrot. 🙂 Foto: har

Das Essen weckte bei der gesamten Crew sichtlich wieder die Lebensgeister. Und die Meinung war einhellig, dass diese Woche fantastisch und fantastisch lehrreich gewesen war. Die anschließende Siegerehrung untermauerte diese Sicht sogar noch: Regatta-Chef Thomas Geburzky betonte erneut, dass die Marine-Jugend Kieler Förde richtig gut segeln könne und es eine Freude gewesen sei, uns dabei zu haben. Einen erhobenen Daumen von ihm gab es zudem für die Tatsache, dass wir Liv bereits für mehrere Wettfahrten an die Pinne gesetzt hatten. Übrigens erfuhren wir am Rande der Veranstaltung, dass unsere Meldung für die kommende Kieler Woche nur noch Formsache sei: Wir stehen schon auf der Liste …

Liv holt sich unter dem Applaus der anderen Crews die Urkunden und den Teilnahme-Coin ab. Foto: har

Thomas Geburzky mit seinem großen Herz für Marine-Jugend-Gruppen hatte in diesem Jahr in seiner Funktion als Chef der Regatta seine letzte Veranstaltung dieser Art. Zum Glück hat er versprochen, im kommenden Jahr in anderer Funktion wieder dabei zu sein. Und so wie es klingt, werden wir ihn an Bord eines Kutters erleben – als Segler. Wie im vergangenen Jahr haben wir ihm und seinem Mitorganisator, Oberstabsbootsmann Bodo von Reth, sowie deren ganzen Team ein kleines flüssiges Dankeschön für die liebevolle Betreuung hinterlassen. 😉
Klaas

Der Kommandeur der Einsatzflottille 1, Flottillenadmiral Christian Bock, begrüßt die Regatta-Teilnehmer – im Hintergrund Kapitänleutnant Thomas Geburzky, der die Regatten seit mehr als 25 Jahren organisiert hat. Foto: har
Müde, erledigt, aber sehr zufrieden: die Marine-Jugend-Kieler-Förde-Crew. Foto: har
Ein letzter wehmütiger Blick zurück auf eine wunderbare Kieler (Regatta-) Woche. Foto: har

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