Den Kutter auch von innen trockenlegen

Die Einzelteile des Gestells für den Kutter „Fritjof“ sind noch von der vergangenen Wintersaison vorhanden – zum großen Teil jedenfalls. Foto: har

Die Pandemie-Vereinswochenenden ruckeln sich wieder langsam zurecht: Die Kinder und Jugendlichen büffeln bei sich jeweils zu Haus – aber gemeinsam am Bildschirm – Segeltheorie. Derweil findet sich die kleine Werkstatt-Gemeinschaft im Marineheim ein, um mit der „praktischen Winterarbeit“ voranzukommen. Auch wenn die Personenzahl vor Ort gering scheint, ist es erstaunlich, wie viele Gewerke sich gleichzeitig bearbeiten lassen, wenn nur genug Ellenbogen-Freiheit vorhanden ist.

Stephan hat die Pumpen in Betrieb genommen. Nun wird der Kutter gelenzt, lustig angesichts der Tatsache, dass er hoch und trocken an Land weilt … der Kutter, Stephan natürlich auch. 😉 Foto: har

Sehr spontan haben sich die Kutterführer verabredet, um sich „Fritjof“ an diesem Tage vorzunehmen. Der Winterplan sieht vor, den Kutter trockenzulegen, um dann zu Beginn des neuen Jahres mit den vergleichsweise geringen Ausbesserungsarbeiten weiterzumachen. Gesagt. Getan. Unter den Bodenbrettern ist reichlich Flüssigkeit vorhanden – Süßwasser zum Glück, denn der Kutter steht seit dem Kranen wie ein Regenfass vor dem Vereinsheim. Das Lenzen mit Ösgefäßen erweist sich für Jörn und Stephan als recht mühsam. Also wirft letzterer eine Elektropumpe an und befördert reichlich klares Wasser außenbords. Anschließend zimmern und sägen die Beiden das robuste Holzgestell passend zusammen, das anschließend die großen Winterplanen über dem Boot hält.

Guidos hervorragende Feinmotorik verhilft einer „Floh“-Jolle nach der anderen wieder zu einer glatten Oberfläche. Foto: har

Guido nimmt sich inzwischen erneut die „Floh“-Jollen vor. Sorgfältig werden die Schrammen der vergangenen Saison ausgebessert, gefüllt, geschliffen, lackiert. Inzwischen könnte man auf den Bootsrümpfen wieder ausrutschen, so glatt sind sie. Allerdings soll sich ja niemand beim Klettern auf den Jollen erwischen lassen … 😉 Im Lauf der kommenden Woche werden zwei von drei „Flöhen“ fertig sein; dann können sie die Halle räumen und zum verdienten Winterschlaf unter einer dicken Persenning in unserem kleinen Außenlager Platz nehmen. Der dritte „Floh“ macht uns dagegen Sorgen. Beim ersten Begutachten hatten wir festgestellt, dass sich Wasser im Bugbereich der Jolle gesammelt hat. Leider ist durch die durchaus vorhandenen Inspektionsluken nichts festzustellen. Alles trocken. Aber das leise Hin- und Herschwappen des Wassers ist dummerweise eindeutig zu hören. Also werden wir in den nächsten Wochen dem Geheimnis wohl mit Laptop und Endoskop-Kamera auf die Spur kommen müssen. Die Version „einfach ein paar Löcher reinbohren“ kommt jedenfalls nicht in Frage.

Nirgends ist man sicher: Mit den Worten „Hier näht der Chef selbst“ überrascht Guido Klaas bei seinen Versuchen, einen kleinen Vorrat an Segeltaschen zu nähen. Foto: Guido

Bei den vergangenen Arbeitseinsätzen hatten Janek und Malte endlich einmal Grund in unser Zubehör gebracht. Eins ihrer Ergebnisse: Wir haben mehr Segel im Bestand, als wir gedacht hatten – zumindest für Jollen aller Größen; allerdings ist ein Teil der Tücher ausgeweht und hat mehr Beulen als ein Fahrzeug nach einem Stock-Car-Rennen. Also wurde aussortiert – die Guten auf die eine Seite und die nicht so Guten … Zum Wegschmeißen sind auch die zu schade. Denn uns fehlen noch einige Segelsäcke, in denen die besseren Tücher schonend aufbewahrt werden können. Also hat sich der Vorsitzende mal selbst an die Nähmaschine gesetzt, damit wir nicht mehr mit Stapeln lose gefalteter Segel, die ständig verrutschen, leben müssen. Prompt kommen auch Sonderwünsche. „Kannst Du nicht mal einen 2.2 Meter langen Beutel nähen, in dem wir ein ganzes Rigg unterbringen können?“ Ja, geht – aber nicht heute. Der Winter kommt ja erst noch …

Zumindest reicht es, um die „verwaisten Segel“ wieder halbwegs adäquat unterzubringen. Foto: har

Derweil hat es sich der seglerische Nachwuchs der Marine-Jugend Kieler Förde in Teilen wieder jeweils zu Haus am Rechner gemütlich gemacht. Finja und Janek unterhalten die muntere Truppe aber nicht nur, sondern fordern sie auch. Mit dem BigBlueButton-System lässt sich ja mehr erreichen, als nur ein bisschen zu daddeln. Diesmal ist also Segeltheorie dran. Wie war das doch gleich mit den Vorfahrts- und Ausweich-Regeln? Da wird durchaus gewusst, aber auch kräftig drauflos geraten. Einige Dinge muss man eben immer wieder ins Gedächtnis rufen. Einen Vorteil hat das „Homeoffice“ allerdings. Es lässt sich gut nebenher verpflegen. Cathrine bekommt Sandwiches geliefert. Kuttersteuerin Liv holt sich zwischendurch die gewohnten „Manöverkekse“.

Gruppennachmittag online: Wer es theoretisch nicht beherrscht, bekommt nachher auch auf dem Wasser Schwierigkeiten. Also werden mal wieder Vorfahrt- und Ausweich-Regeln gebüffelt. Screenshot: Finja

Das Online-System muss aber nicht nur zum Lernen genutzt werden, obwohl es sich inzwischen selbst bei der Führerschein-Vorbereitung bewährt. Auch Kreativität ist möglich. Schon mal eine Optimist-Jolle gezeichnet? Am Bildschirm? Gemeinsam? Und das alle gleichzeitig? Das Ergebnis sieht sehr gut aus, beweist zumindest, dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer schon bewusst einen „Opti“ angeguckt hat. Und nächstes Mal malen wir unseren Kutter „Fritjof“ … oder so … 😉 Die neuen medialen Errungenschaften helfen dabei, ein wenig zusammenzukommen, ohne die rechtlichen Vorgaben zu verletzten. Und das ist doch wirklich etwas Feines.
Klaas

Zur Entspannung muss auch ein bisschen kreativer Spaß erlaubt sein: einen Opti zu zeichnen, ist eine Sache. Aber wenn es alle gleichzeitig am selben Bild machen … 😉 Foto: Cathrine

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