Winterarbeit – Kutterpflege in kleinem Kreis

Hier noch ein Keil darunter, dort noch eine Matte davor: Jörn, Stephan und Dennis bauen vorsichtig das schwere Schwert aus dem Kutter „Fritjof“ aus. Foto: har

Die Omikron-Welle rollt und rollt. Und damit ist der erforderliche „Werft-Betrieb“ der Winterarbeit auch diesmal nicht in gewohnter Weise umzusetzen. Kutter „Fritjof“, der vor allem eine Ruhepause in trockener Umgebung benötigt, lagert in unserer kleinen Bootshalle. Stephan und Jörn haben angesichts der begrenzten Möglichkeiten die Arbeiten am Kutter auf das Nötigste begrenzt, um ihn sicher und einigermaßen optisch ansprechend wieder zu Wasser lassen zu können.

Da isses … Nun ist „Fritjof“ ein paar Pfunde leichter. Antifouling geschliffen wird allerdings nicht in der kleinen Bootshalle. Foto: har

Zum Glück ist im vergangenen Winter schon Einiges vorgearbeitet worden, was in dieser Arbeits-Phase vernachlässigt werden kann. Aber es gibt Gewerke, die abgearbeitet sein wollen – alle Holzteile wollen geschliffen und lackiert werden; die Metallbeschläge haben wie immer in der Salzluft so gelitten, dass auch hier kräftig geschrubbt werden muss. Und auch die Elektrik hat ein bisschen Aufmerksamkeit verdient. Da war doch diese Begegnung mit den freundlichen Wasserschutzpolizisten in der Dunkelheit, die sich zwar über die grüne und rote Laterne an „Fritjofs“ Flanken erfreut zeigten – aber zu Recht wissen wollten, was denn eigentlich mit der weißen Hecklaterne los sei … Und auch die Bilge lässt sich elektrisch leichter lenzen. Und es gibt die coolen Lautsprecher im Boot, die wieder in Funktion gesetzt werden müssen. Dann ist da noch ein gedichteter Riss in einer Kiste zu schleifen. Und schließlich ist ein kleines Malheur im vergangenen Winter passiert, als zwei Kistendeckel aus Versehen mit der falschen Farbe gestrichen wurden, die nun natürlich großflächig wieder abblättert.

Die Leiste aus der Vorpiek trägt normalerweise ein Brett, auf dem Segel etc. gestaut werden können. Die „rostfreien“ Schrauben sind nach langjährigem Genuss von Salz- und Süßwasser nur noch braune Brösel, die ausgebohrt werden mussten. Foto: har

Weil es einfach dran war, haben Stephan, Jörn und Dennis zwischenzeitlich schon das Schwert aus dem Kutter abgesenkt und ausgebaut. Bolzen und Drähte sind kontrolliert und für gut befunden. Nun fehlt ein trockener Tag, an dem die ganze Fläche geschliffen und anschließend wieder gestrichen werden kann. Dann folgt das größere Abenteuer: die riesige Stahlplatte wieder einzubauen. Aber alles in allem ist der Umfang der Arbeiten geringer als zunächst befürchtet. Und das ist ein dickes Plus für den Zeitplan. Denn der Kutter muss aus der Halle ja auch bald wieder raus, damit das halbe Dutzend Jollen, das eine Überarbeitung ebenfalls nötig hat, vor die Werkbänke geschoben werden kann.
Klaas

Schleifen muss manchmal von Hand sein: Stephan bearbeitet den Schwert-Tisch, auf dem die massiven Holzteller für die Winschen befestigt sind. Foto: har

Und nun in die Weihnachtspause

Jens packt noch ein paar Kleinteile zusammen. Aber Kutter „Fritjof“ ist für die Winterüberholung an Ort und Stelle angekommen. Foto: har

In den Wochen vor dem Weihnachtsfest ist es stiller in der Vereinsarbeit geworden – aber deshalb nicht unbedingt weniger arbeitsam. Äußere Zwänge und die innere Einsicht, dass die Gesundheit über alles geht, sind die bestimmenden Faktoren der laufenden Pandemie, die auch die Gestaltung des Vereinslebens maßgeblich beeinflussen. Dass wir in diesen Zeiten immer auf dem aktuellen Stand der Bestimmungen sind, die im Zusammenhang mit Corona beachtet werden müssen, liegt übrigens vor allem an der Fleißarbeit von Landessportverband und Sportverband Kiel, die jedwede Neuerung umgehend weiterleiten – und das vor allem so übersetzt, dass man die Bestimmungen als Laie auch verstehen kann. Dieses ausdrückliche Lob darf ruhig einmal erwähnt sein.

Winterarbeit läuft an

Leise wurde auch schon ein Punkt nach dem anderen im „Lastenheft“ zu Beginn der Winterarbeit abgehakt. Ein kleines Team von sechs erwachsenen Mitgliedern hatte nach der Räumung der Bootshalle von vielen anderen Booten den Kutter „Fritjof“ mit Hilfe von Keilen, Wagenhebern und ganz viel Gefühl ins Warme gebracht. Dort soll „Fritjof“ nach Jahren endlich wieder die Gelegenheit bekommen, ein wenig zu trocknen und aufgearbeitet zu werden. Das „Holz“, das zum Kutter gehört, werden wir im Gruppenraum streichen – da wir dort eh keinen normalen Betrieb fahren können – „Delta“ und „Omikron“ sei Dank …

Das große Schlauchboot ist inzwischen durchgesehen worden – Jörn hatte sich mit unserem fantastischen Kranfahrer Thomas abgesprochen. Der hat auf dem Kieler Ostufer die Möglichkeit, sich unseren schnellen Begleiter für den Segelbetrieb genauer anzuschauen. Das erste Ergebnis ist leider frustrierend gewesen – der Motor hat einigen Arbeitsbedarf. Aber die gute Nachricht ist, dass wir es nun wissen und das Problem angegangen werden kann.

Vor dem Vereinsheim wartet eine kleine Aufmerksamkeit für die Feiertage. Foto: Tina

Finja und Malte hatten sich derweil auch um den Gruppenbetrieb bemüht, der wieder online stattfinden muss. Zumindest die theoretische Segelausbildung werden wir bis zum Frühjahr wieder in dieses Medium auslagern; aber auch die Überarbeitung von Teilen der Homepage wird hier gemeinschaftlich erfolgen.

In der vergangenen Saison waren sowohl off- als auch online Quiz-Runden á la „Der große Preis“ gut angenommen worden. Und so traf sich die Online-Gemeinschaft in der Adventszeit dafür wieder im virtuellen Raum und spielte eine Runde aus. Preise waren Schokoladen-Nikoläuse, die dann ganz real auf dem Platz hinter dem Marineheim am letzten Wochenende vor den Festtagen abgeholt werden durften – und für alle gab es noch kleine Schlüsselanhänger mit dem MJK-Logo, die Tina, Finja und Dörte mit viel Liebe produziert hatten. Und zum Aufwärmen in der Kälte erhielt jede/r nach Bedarf den einen oder anderen Becher heißen und alkoholfreien Punsch. 😉

Es hilft nichts: In Corona-Zeiten findet das Segeln teilweise wieder „im Saale“ statt. Foto: Malte

Wie es weitergeht? Das hängt genau wie im vergangenen Winter von der äußeren Entwicklung ab. Pläne sind aber schon vorhanden: So startet die Online-Winterarbeit wieder am 8. Januar 2022, wenn sich alle Beteiligten von den Feiertagen erholt haben. Und auch die ganz praktische Arbeit an den Booten wird wohl ähnlich funktionieren wie 2020/21: einzeln oder zumindest in kleinen Gruppen. Zum Glück haben wir damit ja schon Erfahrungen gemacht und wissen, wie das umgesetzt werden kann, um die ganze Flotte im Frühling wieder auf die Förde zu bringen.
Klaas

Und vor dem Steg kam das Riff …

Endlich nach 23 Monaten wieder an einem Steg in einer Marina angelegt. Foto: Asha & Helge

Asha Reich und Helge Aßmann auf ihrer Yacht „Gegenwind“ haben es geschafft – endlich. Nach 23 Monaten (!) haben sie mit ihrem Boot zum ersten Mal wieder eine Landverbindung an einem Steg in einer Marina in Phuket in Thailand. Die Pandemie hatte ihren Weltreiseplänen ja wirklich gründlich einen Strich durch die Rechnung gemacht, wie Ihr hier laufend lesen konntet. Vor dem Anlegen kam allerdings noch ein Schreck, mit dem die beiden wirklich nicht rechnen mussten: Nach Verlassen ihres Quarantäne-Ankerplatzes lief die „Gegenwind“ trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kurz vor Niedrigwasser auf ein unkartiertes Riff auf. Mit einiger Hilfe schaffte es „Gegenwind“ zum Glück wohl unbeschädigt von dem Hindernis herunter und konnte wenig später festmachen. Die ganze Geschichte lest Ihr im Logbuch der „Gegenwind“.
Klaas

Die Flotte wird abtransportiert

Die nächste Fuhre Jollen wird für den Abtransport nach Bokel vorbereitet. Bootshalle und Vorplatz werden immer leerer. Foto: Tina

Ein Wochenende mit krummen Rücken, reichlich beanspruchten Händen und auch sonst einer Menge Anstrengung für die Beteiligten. Guido und Finja hatten bereits die ersten vier Jollen nach Langwedel gezogen und dort zwischengeparkt. Drei „Schleppzüge“ hatten dann anschließend Boote im Konvoi weiter nach Bokel gebracht, wo wir als Winterlager einen Hallenplatz für die Jollen bekommen haben. In dem ehemaligen Kuhstall ließen Malte, Guido und Finja ihren Erfindungsreichtum spielen, um aus dem ebenfalls mit transportierten Holz die passenden Lagergestelle für die Boote direkt vor Ort zu messen, zu sägen, zu schrauben.

Was noch nicht für das Bootslager vorhanden ist, baut Malte in Windeseile vor Ort mal eben selbst aus dem vorhandenen Material. Foto: har

Elke und Uwe, bei denen wir mit unseren Segelgefährten unterschlüpfen dürfen, waren die ganze Zeit mit Rat und Tat – sowie Keksen und Heißgetränken – helfend dabei. Aber als wir dann mit dem Boots-Tetris für diesen Tag fertig waren, merkten alle ihre schmerzenden Rücken und wunden Finger. Denn für den großen Umzug von Kiel nach Bokel sollten noch weitere Termine folgen.

In der ersten „Welle“ werden Jeton, Youngster, 470er und ein Laser gestapelt. Foto: har

Und so folgte nur kurz darauf das nächste Alle-Frau/Mann-Manöver an beiden Orten: Nach den ersten drei Besen-Aktionen hinter dem Vereinsheim hatten sich erneut massenhaft Laub und Reisig auf dem Parkplatz gesammelt. Und so griff eine kleine unermüdliche Gruppe ein hoffentlich letztes Mal in diesem Jahr zu Besen, Schaufeln und Schubkarre. Stundenlang wurde gefegt und gesäubert – als schließlich die Dunkelheit einbrach, durften wir den Platz mit Fug und Recht als „besenrein“ bezeichnen.

Die „Schwimmkörper“ des Kutters werden für die Winterzeit geborgen und in die Lasten gebracht. Foto: Tina

Parallel dazu kümmerten sich weitere Mitglieder um unseren Kutter „Fritjof“. Zwar war er schon sauber und überplant; aber die als Auftriebskörper dienenden Schwimmnudeln mussten noch aus den Hohlräumen des Bootes gezogen und in sauberen Bündeln in den Lasten gestapelt werden. Da das große Ruderblatt des Kutters am Wochenende zuvor schon seine Metallbeschläge „verloren“ hatte, konnte es nun auch Lack und Antifouling an den Kragen gehen. Da das Wetter halbwegs hielt, waren die Schleifarbeiten zum Glück im Freien möglich.

Tapfer durchgehalten: Die vierte Aktion zum Säubern des Vereinsplatzes in diesem Herbst. Foto: Tina

Damit die Außenbordmotoren nicht mit Salzwasser in den Leitungen überwintern, füllte Malte eine große Tonne mit Süßwasser. Und so wurden die ersten Aggregate – möglichst leise – angeworfen und gründlich durchgespült. Während in Kiel immer weiter gerackert wurde, machte sich der nächste Konvoi auf in Richtung Bokel, um das dortige Bootslager weiter zu füllen. So leert sich der Platz immer weiter. Spätestens, wenn der Kutter zum Durchtrocknen in der Bootshalle verweilt, wird bei uns in Kiel eigentlich nichts mehr von außen sichtbar sein, das darauf aufmerksam macht, dass hier eigentlich gesegelt wird.
Klaas

Mit Druck und Gefühl: Jens schleift gleich mal eben das Kutter-Ruder ab. Foto: Tina

Edles Holz und ganz besonderes Handwerk

Ein gelungener Ausflug von der Kieler an die Flensburger Förde: Thomas Geburzky (7. von links) führte uns durch den Werftbetrieb von „Robbe & Berking“. Foto: Fe

Es sind Namen wie „Nini Anker“, „Sphinx“ und „Jenetta“, die viele Seglerinnen und Segler von Bildern oder aus Geschichten kennen. Einige der berühmten „12er“ sind regelmäßig zu Besuch auf der Kieler Förde; aber diese hölzernen Segel-Legenden von ganz Nahem zu sehen, die Hölzer und Lacke zu riechen – und etwas mehr Hintergrund zu jedem Boot zu erfahren: Das ist schon etwas ganz Besonderes.

Die Idee, beim Robbe & Berking Yachting Heritage Centre in Flensburg anzuklopfen, war schon länger in unseren Hinterköpfen gewesen. Denn bei Besuchen von Kunst- und Foto-Ausstellungen war manchmal ein großes Tor in eine benachbarte Werfthalle offen geblieben und ein kleiner Blick auf die dort abgestellten Schönheiten zu erhaschen gewesen. Aber die Pandemie-Lage hatte es nicht zugelassen, das Thema früher anzugehen. Nun war es endlich soweit. Und die vorsichtige Anfrage im Spätsommer bei Robbe & Berking, ob vielleicht ein kleiner Segel- und Jugendverein aus Kiel mal durch die heiligen Hallen in Flensburg streunen dürfte, wurde von dort umgehend positiv beantwortet – verbunden mit einem Tipp: „Am besten machen wir den Termin ab November. Dann sind bei uns die Boote aus dem Wasser gekommen und in den Hallen im Winterlager und in der Werkstatt zu sehen.“ Ein Hinweis, den wir sehr gern annahmen.

Thomas erzählt uns die ersten Hintergründe zur Entstehung des Heritage Centres. Foto: mor

So trudelten wir also am Sonnabend mit einer Gruppe von knapp 20 Personen am Harniskai in Flensburg ein. Und dort wartete die nächste große Überraschung auf uns, als der von Robbe & Berking angekündigte „erfahrene Führer und begeisterte Segler, der ganz viel erzählen kann“, zu uns stieß. Wir kannten ihn nämlich. Und zwar richtig gut: Vor uns stand Thomas Geburzky – bei der Marine-Jugend Braunschweig „groß geworden“, jahrzehntelanger Organisator der Marinekutterregatta zur Kieler Woche und in der Tat auch ein erfahrener 12er-Skipper, der auf diesen Schönheiten viele tausend Seemeilen unter dem Kiel abgeritten hat. Das „Hallo“ war entsprechend groß.

Was dann folgte, war eine grandiose Lektion über anderthalb Stunden: Wie entstand die berühmte Zwölfer-Formel? Was floss in die Berechnung mit ein? Welche Boote wurden nach welcher Variante gebaut? Wo kommt das Holz her? Wie wird es bearbeitet und gelagert? Wie entstehen die Holzmasten? Wie wird lackiert und geklebt? Dazu lieferte Thomas viele spannende Details zur Entstehung der Robbe&Berking-Werft, Grenzerfahrungen mit und Anekdoten zu den 12ern. Aber besondere Eindrücke erlebte unsere Besuchergruppe natürlich, als wir dann vor jedem einzelnen dieser Boote standen und weitere Details zur Geschichte erhielten. Immer wieder begegnete uns auf dem Rundgang Oliver Berking selbst, der dann auch irgendwann nach unserer Herkunft fragte: „Seid Ihr eine große Familie?“ Eigentlich hätten wir Ja sagen können, aber Janek und Finja erklärten schon den Hintergrund dieser „Marine-Jugend-Familie“. Und in Folge fabulierten wir untereinander darüber, ob es nicht sehr schick wäre, einen Kutter aus dieser Werft zu bekommen … Malte brachte uns alle auf den Boden der Tatsachen zurück, als er anmerkte, dass wir dann bei Regatten immer absichtlich hinterher segeln müssten, weil wir viel zu viel Angst hätten, dass einem solchen Boot etwas passieren könnte.

Beim Abschlussgespräch unter vier aufgepallten 12ern stellte Jörn dann eine Frage an Thomas, über die zunächst alle lachten, bei der Antwort dann aber feststellten, dass es dazu gar keinen Grund gab. Denn Jörn wollte wissen, wie sich die 12er im Vergleich zu Marinekuttern segeln lassen, welches Gefühl man auf diesen Boote habe. Thomas sagte: das gleiche Gefühl. Denn die Segeleigenschaften seien – von Segelfläche und Geschwindigkeit bestimmt mal abgesehen – sehr ähnlich. Er verwies dabei unter anderem auf die Eigenschaften des langen Kiels und die damit verbundenen Schwierigkeiten in der Wende. Wer jemals mit einem Kutter in der Wende plötzlich stehen geblieben ist, weiß, was er meinte. „Wenn man beim 12er in der Wende das Vorsegel nicht exakt herumnimmt, läuft er einfach weiter – nach dem Motto: Das wolltest du doch jetzt wohl gar nicht“, erläuterte Thomas. Vielleicht war die Anmerkung ein kleiner Fehler unseres eloquenten Führers; denn als wir wieder auf dem Parkplatz standen, erzählte die kleine Truppe nicht nur von einem Robbe & Berking-Kutter, sondern davon, selbst an Bord eines 12ers mitfahren zu dürfen. Wenn Thomas und das Robbe & Berking-Team beabsichtigt haben sollten, uns einen Segel-Traum für die kommende Winterzeit einzupflanzen, ist ihnen das jedenfalls rundum gelungen. Und so können wir mit leuchtenden Augen und feuchten Händen nur ganz einfach Danke sagen für diesen wunderschönen Vormittag in Flensburg!
Klaas

Schwergewichte sitzen hoch und trocken

Husch, husch, ins Körbchen … Kutter „Fritjof“ fliegt direkt aus der Förde zu seinem Winterliegeplatz vor dem Marineheim. Foto: Fe

Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Nachdem der zunächst geplante Kran-Termin für die großen Boote wegen der schaurigen Wettervorhersage im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser gefallen war, zog eine kleine Truppe die Aktion nur drei Tage später in Windeseile durch. Ursprünglich hatten die Boote an einem Freitag gekrant werden sollen – mit reichlich Vorlauf und genug „Personal“ zum Helfen. An einem Montagnachmittag sind die Mitglieder natürlich nicht ganz so leicht zu mobilisieren, wenn Schule, Universität und Arbeitgeber völlig zurecht Vorrang in der Zeitgestaltung erhalten. Aber komisch: Irgendwie klappt es immer, dass genau die passende Anzahl „Mitarbeitender“ ihren Weg zum Vereinsgelände findet. 😉

Muscheln ernten: Die Arbeits-Crew befreit den Kutter von unerwünschten Mitreisenden. Foto: Fe

Alle geplanten Boote waren ebenfalls rechtzeitig am Steg – wichtig, weil der stärkste „Arbeitsmuskel“, Thomas mit seinem großen Fahrzeugkran, sogar früher als geplant an der Kiellinie angekommen war. Auch über das Wetter gab es keine Beschwerden: wenig Wind und ansonsten so schlecht und trübe, dass sich niemand darüber ärgern musste, anderweitig vielleicht etwas zu verpassen.

Sitzt, passt, wackelt … „Fritjof“ ist auf seinem Winterwägelchen angekommen. Foto: Fe

Als erstes schwebte die „Regulus“ an Land. Und niemand, der das Boot und unsere Kran-Aktionen kennt, wunderte sich darüber, dass die kleine Varianta die gleichen „Zicken“ machte wie sonst auch – sprich: Wenn es ins Wasser geht, will das Kielschwert nicht ausfahren; geht es aus dem Wasser heraus, will das Kielschwert nicht wieder rein. Aber mit gutem Zureden, Schraubenzieher, Hammer und passendem Spray drückte es sich eben irgendwann doch in den Rumpf. Auch wie immer…

Ruder ist ab. Dann ist das Hinterteil des alten ZK-10 auch nicht ganz so schwer. Foto: Fe

Eine – positive – Überraschung gab es allerdings an allen Booten: Das obligatorische Befreien von Bewuchs fiel recht übersichtlich aus. Die Seepocken hatten zwar erneut jede erdenkliche Lücke gefunden. Aber sie waren nicht im gleichen Umfang an den Unterseiten der Boote kleben geblieben wie in den vergangenen Jahren; gleiches galt für die Kolonien aus winzigen Muscheln. Die Möwen, die schon erwartungsvoll mit „umgebundenen Lätzchen“ am Rand des Geschehens auf ein Festmahl warteten, zeigten sich bitter enttäuscht.

Nachdem das große Schlauchboot auf seinen Trailer gesenkt worden war, hob es die Crew zunächst am Bug an, um eventuell in den Zwischenboden eingedrungenes Wasser ablaufen zu lassen. Sagen wir es mal so: 1. In der Winterarbeit warten Abdichtungsmaßnahmen. 2. Die Massen, die aus dem Zwischenboden liefen, ließen uns ernsthaft daran zweifeln, dass das wirklich alles nur aus dem Zwischenboden kommen konnte. Das mit dem Ankippen erwies sich gleich darauf als schlechtes Vorbild. Was der schon kann, kann ich schon lange, schien sich die „Colombina“ nebenan zu denken und setzte ihren Trailer ebenfalls nach achtern in Schräglage, allerdings ungewollt. Und so musste Thomas mit dem Kran erneut kommen, das Boot komplett anheben und diesmal ein Stück weiter vorn wieder auf den Hänger setzen.

Möwen füttern ist in Kiel verboten. Aber diese drei Kumpel werden nicht gefüttert; sie helfen gegen Kost und Logis beim Aufräumen. Foto: Fe

Spektakulär geriet dann wie immer das Kranen von „Fritjof“. Als der Unterboden gesäubert und die frustrierten Möwen abgezogen waren, hob Thomas den alten ZK-10 in einem großen Schwung über die ganze Kiellinie, die Rasenfläche und die angrenzenden Buschreihen bis auf den Parkplatz hinter dem Vereinshaus. Dort wartete bereits die „externe“ Kutterbesatzung mit dem großen Holzwagen und ließ das große Boot langsam und mit viel Gefühl auf das rollende Winterlager herab. Alle gekranten Boote wurden zunächst auf den Parkplatz geschoben und gesichert. Thomas, der mit seinem Kran wieder Super-Arbeit abgeliefert hatte, wurde mit viel Hallo und einer Einladung zur Nikolaus-Regatta verabschiedet. Das endgültige Säubern und Einpacken der Boote war an diesem Tag aber nicht mehr möglich: Als wir schließlich mit allem fertig waren, standen wir in der Finsternis. Der Rest musste bis zum nächsten Gruppennachmittag warten, was beim Hausherren, der Marinekameradschaft, allerdings nicht auf große Freude traf.

Der Kutter bekommt ein Dach für den Winter. Liv und Malte bauen den „Dachstuhl“. Foto: har

Und so ging es fünf Tage später erneut ans Werk. Wieder kam eine kleine unermüdliche Crew zusammen und machte auf dem Vereins-Parkplatz Klar Schiff. Die Boote wurden umfänglich gesäubert, der Platz ebenso. Die „Colombina“ wurde mit Persenning versehen und zum Abtransport fertig gemacht. „Regulus“ und „Fritjof“ erhielten ihre Winterdächer aus Holzgestellen und wurden abgeplant – „Regulus“ auf ihren Liegeplatz bei unseren Nachbarn von der Rudergesellschaft „Germania“ geschoben, das Ruderblatt des Kutters von den Beschlägen befreit und in die Bootshalle transportiert.

Nach dem Saubermachen der Boote folgt das Saubermachen der Umgebung. Ole und Finja schrubben, Christiane spült mit dem Schlauch hinterher. Foto: har

Nach etlichen Stunden Arbeit an diesem Tag waren alle Beteiligten müde, schmutzig und klatschnass. Aber zumindest die wichtigsten Arbeiten im Zusammenhang mit dem Ende der Segelsaison waren damit erledigt. Und am Ende dieses Wochenendes zeigte sich auch der Parkplatz wieder fast komplett frei von jeglichen Booten.
Klaas

Constantin befreit mit allerlei Werkzeug das Ruderblatt des Kutters von seinen Stahlbeschlägen. Foto: har

Verbandsversammlung mit kleinen Ausflügen

Die Tagungsarbeit ist getan: Nun wird noch einige Stunden gesegelt: Britta und Boris aus Braunschweig sind gemeinsam mit den Kielern Finja, Christiane und Malte mit „Fritjof“ auf der Förde unterwegs. Foto: har

Es ist schön, immer wieder zu verschiedenen Anlässen bei anderen Vereinen zu Gast zu sein. Aber zum Nehmen gehört auch das Geben. Und deshalb war die Marine-Jugend Kieler Förde dieses Mal Gastgeber für die Tagung des Bundesjugendausschusses und der Bundesjugendversammlung der Deutschen Marine-Jugend. Landesjugendreferenten diverser Landesverbände und Vertreter einzelner Vereine fanden sich also in Kiel ein, um unter Leitung von Bundesjugendreferent Roman Iwer und seinem Stellvertreter Lars Busch ein erstes Fazit für die Pandemie-Zeit zu ziehen, aber auch Pläne für kommendes Jahr zu besprechen. Mit dabei war Jörg Jonscher, Vorsitzender des Marine-Regatta-Vereins, ausgewiesener Kutter-Spezialist und beschlagen in allen aktuellen Entwicklungen dieser Segel-Szene. Er gab der Versammlung mehrmals Hintergrundwissen mit auf den Weg, das sich für die Arbeit der nächsten Zeit als wertvoll erweisen kann.

DMJ-Gesprächsrunde im Versammlungsraum der Rudergesellschaft Germania. Foto: har

Im Hintergrund hatte vor allem unsere zweite Vorsitzende Tina die Fäden gezogen und die örtliche Organisation in die Hand genommen. Hotelunterkünfte für die Gäste mussten gebucht, das Rahmenprogramm geregelt und die Verpflegung gesichert werden. Sauber im Marineheim hatte zuvor ein „kleiner Kreis“ gemacht. Für anspruchsvollere Menüs stand das „Lagom“ im oberen Stockwerk zur Verfügung, für einen Teil der Tagung auch der große Saal bei unseren Nachbarn von der Rudergesellschaft Germania. Thyssen Krupp Marine Systems auf der anderen Seite der Förde öffnete an einem Vormittag für die Tagungsgäste die Tore für eine Besichtigung. Aus Reihen der Kieler Mitglieder kamen selbst gemachte Salate, Kuchen und Kekse. Und Guido sowie mehrere Jugendliche warfen zwischenzeitlich den Grill an. Und besondere Attraktion: Finja, Liv, Christiane, Janek und Malte legten nicht nur bei der Versammlung „Ohr an Masse“, sondern segelten auch mehrmals mit Kutter „Fritjof“ und Gästen über die Innenförde. Die vor kurzem wieder eingetroffene „Gorch Fock“ am Marinestützpunkt zeigte sich dabei als besonderer Anziehungspunkt. Der besagte „kleine Kreis“, der anschließend auch wieder Klar Schiff im Heim machte, zeigte sich einig, dass es unseren Gästen offenbar mehrheitlich gefallen hatte. 🙂
Klaas

Wenn man denn schon in Kiel ist: „Fritjof“ ist auf der Förde mehrmals mit Gästen aus anderen Vereinen unterwegs. Foto: har

Masten runter – aber unpassendes Wetter zum Kranen

Drei Mann – ein Mast: Die „Regulus“ muss die letzten Wege in dieser Saison unter Außenborder oder im Schlepp zurücklegen. Foto: har

Wenn man einem Sport und einer Freizeitbeschäftigung nachgeht, die vom Wetter abhängig sind, muss man einfach damit leben, dass Selbiges einem auch einen Strich durch die Rechnung machen kann: Eigentlich hätte unser Lieblings-Kranfahrer Thomas heute die meisten unserer großen Boote an der Kiellinie aus der Förde heben sollen. Die Mannschaft dafür hatte sich bereits in den vergangenen Wochen bereit erklärt. Nur das Wetter … Als am Abend vor der Kran-Aktion der freundliche Wettermoderator im dritten Fernsehprogramm die Verlängerung des Sturm mit Windstärken von fünf bis sieben, in Böen von neun bis zehn ankündigte, gab es kein lange Überlegen. Kurze Rücksprache im Vorstand – dann folgte die Ansage der Verschiebung um eine Woche. Allein die Vorstellung, wie unser Kutter „Fritjof“ bei diesem Wind hoch am Kran über den Passanten der Förde-Promenade baumeln könnte, war abschreckend genug. Aber wir haben es ja gelernt, mit dem Wind zu leben – oder ganz ohne ihn wie bei der Kieler Woche. 😉

Jede Schraube, jede Unterlegscheibe, jeder Bolzen wird sorgfältig geborgen. Da lässt sich Helmut durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen. Foto: har

Mit viel weniger Wind und nur mit Nieselregen hatte sich einige Tage zuvor eine kleine Crew an den Liegeplätzen in den Sportboothäfen eingefunden, um Kutter „Fritjof“ und Varianta „Regulus“ für das Winterhalbjahr abzurüsten: Stephan, Dieter, Helmut, Jens, Jörn und Klaas hatten nicht viel Mühe, Masten und Spieren abzuriggen und das gesamte laufende und stehende Gut zusammenzupacken – was Wunder bei gefühlt 250 Jahren Marine-Jugend-Erfahrung. Und weil alles so zügig funktionierte, wurde die gesamte Ausrüstung fröhlich auf einem Anhänger die Kiellinie entlang zum Marineheim gefahren und dort gleich weggestaut. Es war sogar genug Zeit übrig, alle Einzelteile des Hafenwagens von „Fritjof“ zu suchen, zu finden und halbwegs sinnvoll wieder zusammenzubauen. Auch wenn das Wetter den geplanten Krantermin nicht zulassen möchte: Die Vorarbeit ist wenigstens getan.

Nachtrag: Natürlich ist es so gekommen, wie es kommen musste. In dem Zeitfenster, in dem wir ursprünglich hätten den Kran auf die Kiellinie stellen wollen, war an der Innenförde vom Sturm nichts zu sehen – Windstärke drei und weitestgehend blauer Himmel. Der angekündigte Wind tobte derweil draußen in der Kieler Bucht mit Beaufort sechs und mehr. Die Wettervorhersage, die sich in den vergangenen Monaten schon häufiger als eine Variante von „6 aus 49“ erwiesen hatte, konnten wir aber nicht ignorieren. Nun also zu Beginn der Folgewoche der nächste Anlauf. Irgendwie bekommen wir unsere Boote schon ins Trockene. 😉
Klaas

„Braucht Ihr da noch Hilfe?“ Jörn ist sich nicht ganz sicher, ob da vor seinen Augen alles richtig läuft. 😉 Foto: har

Und wieder in Quarantäne …

Der Quarantäne-Ankerplatz für Asha, Helge und die „Gegenwind“. Grafik: openseamap/Stephan/Helge

2.211 Seemeilen in 30 Tagen haben Asha, Helge und die „Gegenwind“ zurückgelegt, um nach über anderthalb Jahren Zwangspause vor Dili in Osttimor in Thailand anzukommen. Und dort heißt es: Nach der Corona-Quarantäne ist vor der Corona-Quarantäne. Vor Anker westlich von Nakha Noi Island muss die tapfere Segelgemeinschaft erneut ausharren – ständig überwacht durch Tracking-Armbänder, die Ashas und Helges Körpertemperatur und Puls in der Quarantäne-Zeit messen. Was die „Gegenwind“-Crew in den vergangenen Wochen auf ihrer Überfahrt erlebt hat, lest Ihr natürlich hier in ihrem Logbuch.
Klaas

Der „Gorch Fock“ entgegen

Einer traut sich, Segel zu setzen, der andere halt nicht … 🙂 „Fritjof“ begrüßt das nach Kiel heimkehrende Segelschulschiff „Gorch Fock“. Foto: har

ZK-10-Kutter „Fritjof“ und das Segelschulschiff „Gorch Fock“: Wer ist in den vergangenen Jahren längere Zeit in Kiel gewesen? Wer wurde in den vergangenen fünf Jahren häufiger gesegelt? Wer wurde für kleineres Geld instand gehalten? Ja, der Vergleich ist gemein, hinkt und ist auch wirklich ein bisschen unfair. Aber es ist doch schön, dass „Fritjof“ mal die Nase vorn haben darf. Bei allen Querelen, die es um die „Gorch Fock“ in der Vergangenheit gegeben hat, bleibt sie doch die Bark aus „Weiß ist das Schiff, das wir lieben“. Und als dieses Wahrzeichen für Kiel nun ausgerechnet an einem Werktag nach fast sechs Jahren unter Salutschüssen des Berliner Wachbataillons wieder in die Kieler Förde einlief, war ein großer Tross aus Begleitbooten dabei. Und wie das Schulschiff liefen die vielen kleinen Begleiter fast alle unter Motor in die Förde ein – was Wunder, kam der Wind doch fieserweise stetig aus Südwest. Ein paar Ausnahmen gab es allerdings. Und zu ihnen gehörte selbstverständlich auch unser Kutter „Fritjof“, der mit einer ausnehmend fröhlichen Crew zur Begrüßung an der „Gorch Fock“ vorbeisegelte – ohne jede Maschine und ohne Riemen.
Klaas

Mit Liv an der Pinne unter vollen Segeln der „Gorch Fock“ entgegen. Foto: Helmut

Wenn an Bord schnelle Hilfe benötigt wird

Der Großbaum wird zum Kran für die verletzte Person im Wasser: Stephan passt auf, dass Christiane heil ins Boot kommt. Foto: Finja

Der zweite Tag eines besonderen Erste-Hilfe-Kurses lieferte allen Beteiligten Erkenntnisse, die es sicher nicht bei einem „normalen“ Kursus geben kann: Es ging aufs Wasser – mit Peters „Vacanza“, dem Kutter „Fritjof“ sowie dem großen Schlauchboot. Ziel war die Heikendorfer Bucht, auf der verschiedene Methoden der Rettung aus dem Wasser erprobt, geübt und perfektioniert wurden. Und welche Folgerungen konnten die Lerngruppe gewinnen – außer der Tatsache, dass es für Christiane und Malte ein reichlich feuchtes Vergnügen wurde? Die Beiden waren nämlich die Versuchspersonen, die zunächst „in den Bach springen“ und sich von den Besatzungen der drei Boote „retten lassen“ mussten. Erstens lässt sich der Großbaum zu einem super Kran umbauen. Dann kann der Kran mit einem Vorsegel ergänzt werden, zum Bergen von unterkühlten (zentralisierten) Personen in horizontaler Lage. „Fritjof“ hat seitdem eine Einstiegsleine an Backbord, die unbedingt dort bleibt und nicht zweckentfremdet werden darf. Warum? Sie ernmöglicht es, aus dem Wasser ins Boot zu kommen, wenn von dort niemand helfen kann.

Christiane wird am D-Ring ihrer Schwimmweste an Bord der „Vacanza“ geholt. Dabei stellt sie fest, dass eine Weste allein ganz schnell unbequem werden kann. Foto: Finja

Am Tag zuvor hatten die Kursus-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer in Audorf viel Theorie wiederholt. Aber auch hier gab es einen „landseitigen“ Praxis-Anteil: Stabile Seitenlage, Anlegen von Verbänden, Herzdruckmassage – alles, was schon vielfach gelernt wurde, aber mangels Anwendung auch wiederholt werden muss. Die leckere Kartoffelsuppe zum Mittagessen war dann auch ersehnt und durch die viele Mühe natürlich auch verdient. 😉
Stephan+Malte

Na, lohnt sich die Mühe hier noch? 😉 Peter bringt Jörn am ersten Kursus-Tag in die stabile Seitenlage. Foto: Tina
Das Boot ist zwar das Kleinste von den drei beteiligten Schiffen; aber das heißt nicht, dass das An-Bord-Kommen hier besonders leicht wäre. Christiane wird das gleich am eigenen Leib erfahren, wenn sie bei Finja einsteigen wird. Foto: Malte

Mit dem Dickschiff in die Strander Bucht

Für die Jollen war es ein bisschen viel Wind … aber für dieses Kaliber genau richtig. Foto: Finja

Auf die Jollen hatte es gehen sollen; aber es war reichlich Wind, ein bisschen viel sogar. Und da unser Motorboot-Begleiter, der an diesem Tag eigentlich hätte auf die Seglerinnen und Segler aufpassen sollen, wegen Zahnschmerzen ausgefallen war (Gute Besserung, Dennis!!!), suchten wir nach einer Alternative – Wind ist ja schließlich allein kein Ausschlusskriterium beim Segeln. 😉

Peter hatte uns im Anschluss an die Kieler Woche angeboten, gern mit uns auf seiner Yacht zu segeln. Wenn nicht jetzt, wann dann? Nach einem kurzen Gespräch wurde die Jollen-Gruppe „umgerüstet“: dicke Klamotten statt Neopren, wo vorhanden Automatik- statt Feststoffweste. Und so stiegen wir sehr spontan bei Peter aufs Boot.

Als ob ein Kreuzfahrtschiff ein „Match“ für uns wäre: Malte peilt am Ruder nach vorn. Foto: Finja

Peter Greve segelte mit uns raus in die Strander Bucht; jede und jeder durften (mussten 😉 ) abwechselnd ans Ruder – in der Welle vor Schilksee und Strande war das gar nicht so einfach. Und wir stellten fest, dass Surfer und Kiter mit ihren manchmal recht unvorhersehbaren Manövern für einen Rudergänger einer Yacht schon eine echte Herausforderung darstellen. Und wir lernten Einiges dazu. Alle möglichen Fragen wurden gestellt und beantwortet. Nun weiß auch ein Crew-Mitglied, wie es zum Hochseilgarten in Falkenstein kommt. Einiges Wissen blieb wohl allerdings eher im Kurzzeitgedächtnis haften, wenn mit Blick auf Heikendorf auf der Rücktour dann ernsthaft nachgefragt wurde, ob das nun Heikendorf oder Falkenstein sei. Nach der kurzweiligen Tour kamen wir rundum zufrieden im Hafen an – mit der Gewissheit, dass Dickschiff-Segeln eine echte Alternative ist. Ganz herzlichen Dank, Peter, dass Du uns das ermöglicht hast!

Gute Laune an Bord und wieder eine Menge gelernt. Foto: Finja
Fix aus der Kieler Förde heraus: Peter und Hannes behalten den Überblick. Foto: Finja

Am Tag zuvor hatte es noch anders auf der Förde ausgesehen: gutes Segelwetter für die Opti-Gruppe der Fortgeschrittenen. Der Wind hatte so gut gestanden, dass wir für Constantin, Louis und Ole die rote Fahrwassertonne gegenüber unserem Vereinssteg als Regattatonne nutzen konnten. Zwischen Steg-Kopf und großem Schlauchboot wurde die Startlinie gelegt – und dann wurden Starts geübt. Nach der ersten Rundung der Tonne fuhren alle wieder zum Steg, damit Janek noch einmal den Startvorgang erklären konnte und welche Signale von Malte wann zu erwarten sind. Dann wechselte ich vorsichtshalber noch ein Segel, das einen schlechteren Eindruck machte als die der anderen. Nach diesen Verbesserungen und Absprachen sprangen alle wieder in die Boote. Und erneut wurde der Start geübt. Damit verging auch dieser Nachmittag aber wie im Fluge.
Finja

Der letzte Tag bringt Wind … und Regen

Flottillenadmiral Christian Bock, der Kommandeur der Einsatzflottille 1, überreicht Finja die Plakette für die Steuerfrau und allen ihre jeweilige Urkunde für den 14. Platz. Foto: har

Als die Siegerehrung beginnt, hat der Regen wieder aufgehört. Aber niemand will das Risiko eingehen und die Feier wieder ins Freie verlegen. Zu sehr hat das Wetter in dieser Kieler Woche alle Beteiligten genarrt. Der 14. Platz ist der Marine-Jugend-Kiel-Crew geblieben. Angesichts der Tatsache, dass auch ein neunter, ein elfter und zwei zwölfte Plätze in den Wettfahrten zu Buche schlugen, ist das durchaus ein respektables Ergebnis. Gewonnen hat in diesem Jahr die Marine selbst – nicht nur durch ihre gute Organisation und die betont lässige Umsetzung der Regatta. Auch der erste Platz blieb bei der Marine, denn den segelte der Offiziernachwuchs von der Marineschule aus Mürwik ein. „Ich war diesmal ja nicht dabei“, frotzelte Kapitänleutnant Michael Woyna, der Chef-Organisator und Nachfolger von Kapitänleutnant Thomas Geburzky, der diese Organisation mehr als 30 Jahre betreut hatte. Woyna hatte im vergangenen Jahr noch selbst an der Pinne eines beteiligten Kutters gesessen und die Mannschaft aus Plön gesteuert – von der Marineunteroffizierschule.

Auf dem zweiten Platz landete eine zivile Truppe – die Crew der Butenplöner; auf Platz drei folgte eine, naja, fast zivile Mannschaft vom Bundesamt für Umweltschutz, Infrastruktur und Dienstleistungen … der Bundeswehr. 😉 Die beiden einzigen beteiligten Marine-Jugenden landeten eher auf der anderen Seite der Tabelle. Aber dafür war wenigstens mal wieder eine zweite MJ dabei, die aus Wertheim. Viele neue Bekannte wurden kennen gelernt. Der BC Eintracht Leipzig 02 lud uns sogar zum Segeln zu sich ein. Stefan erhielt von einem Bundespolizisten wortlos eine kleine rote Polizeikelle überreicht (wir wissen immer noch nicht, was sich da hinter den Kulissen abspielte), und die meisten Mannschaften haben sich gegenseitig versichert, zur 133. Marinekutterregatta wieder dabei zu sein.

Ölzeug statt T-Shirt: Am letzten Tag gibt es Wind; aber die Sonne ist dafür auch nicht mehr zu sehen. Foto: har

Morgens hatte es noch die Gelegenheit gegeben, zwei Wettfahrten auf die Haben-Seite zu bekommen. In der Nacht war das Wetter umgeschlagen. Der fehlende Wind hatte sich eingestellt, allerdings zogen auch Regenschauer auf. Rechtzeitig zog sich die gesamte Mannschaft im Kutter vor dem Start noch Ölzeug über.

Nach den Flautetagen zuvor fehlten zum Schluss insgesamt nur noch drei der geplanten zehn Durchgänge. Ein zwölfter und ein elfter Platz kamen dabei bei den letzten Fahrten für die MJK heraus. Was wir von den „normalen“ Kieler Wochen gewohnt sind, mit unserem ZK-10-Kutter „Fritjof“ hinterher zu segeln und zu hoffen, noch in der vorgegebenen Gesamtzeit über die Linie zu kommen, gab es in diesem Jahr nicht. Das Feld der Marinekutter lag deutlich dichter beieinander. Und es wurde in jedem Abschnitt des Feldes verbissen um jeden Meter und jede Position gekämpft.

Von links: Bundespolizei Ostholstein (13. Platz), Marine-Jugend Kieler Förde (14. Platz) und Marine-Jugend „Main“ Wertheim (16. Platz). Foto: har

Die Crew hatte deshalb zum Schluss auch eine bisher nicht gekannte Routine darin, sich an Wendemarken zu duellieren, taktisch zu segeln und ganz schnell neue Entschlüsse zu fällen, wenn die gewählte Taktik durch einen Winddreher nicht aufging. Unter dem Strich: eine sehr harmonische Truppe mit einer ganz steilen Lernkurve, die so auch gern weiter zusammen im Kutter segeln möchte. Im kommenden Jahr wird es wahrscheinlich wieder eine „große“ Ausgabe der Marinekutterregatta geben. Die Kapitänleutnante Michael Woyna und Michael Bauer sowie Oberstabsbootsmann Bodo von Reth möchten unerschütterlich optimistisch wieder eine Langfahrt auf dem Programm unterbringen – sowohl für INAT als auch für ZK 10. Nach den aktuellen Erlebnissen spekuliert die MJK-Crew ein bisschen darauf, dann wieder in einer Marinekutter-Klasse zu starten. Die Boote sind halt größer und schneller als zumindest unser ZK 10 und technisch sehr anspruchsvoll.

Die Einzelergebnisse der Woche 2021 finden sich auf www.marinekutterregatta.de.
Klaas

Im Folgenden ein paar Eindrücke von dieser denkwürdigen 132. Marinekutterregatta von Fe, Sönke, Sahand, Stefan und Klaas:

Sonnenbank statt Langfahrt

Andere geben viel Geld aus, um mal zweieinhalb Stunden auf dem Wasser in der Sonne zu liegen. Beim Warten auf die Langfahrt gab es das fantastische Ambiente gratis. Foto: har

Vierter Tag, zweiter Anlauf für eine Langfahrt aus der Innenförde nach Schilksee und zurück: Alle Kutter waren heute morgens rechtzeitig auf der Bahn und warteten wie die Wettfahrtleitung auch auf eine günstige Gelegenheit zu starten. Kutter „86“ war der Marine-Jugend-Kiel-Crew zugelost worden. Aber der „86er“ dümpelte wie alle anderen Boote auch in gleißender Sonne auf der Förde. Wind gab es nicht, dafür eine hervorragende Aussicht. Zweieinhalb Stunden war keine Brise zu spüren, nur ganz in der Ferne hinter dem Leuchtturm Friedrichsort schien die Wasserfärbung mehr Windbewegung zu verheißen. Der Blick in die entsprechenden Apps und auf die Homepage des Instituts Geomar bestätigten diese Vermutung. In der Strander Bucht gab es Windstärken von 2 bis 3 Bft. Auf der Innenförde gab es muntere Sprüche und leidlich gute Stimmung.

Wenn ab und zu ein anderer Segler auftauchte, hatte der meist nicht mal die Segel gesetzt, sondern motorte gleich. Foto: har

Gegen zwölf Uhr beendete die Wettfahrtleitung das Sonnenbad und schickte die Kutter wieder zurück in den Stützpunkt. Und, man ahnt es, kaum waren die Boote wieder drin, briste es auf. Aber erstens war nicht klar, wie lange der Segen hält, und zweitens war es für eine Tour in die Strander Bucht nun einfach zu spät. Während die Mehrheit der Kutterbesatzungen artig Richtung Bootshafen pullte, hielt man bei der MJK-Crew die Vorleine hoch und ließ sich vom Vorstand ganz bequem abschleppen. 😉

Nachmittags geht es auf den kurzen Bahnen auf der Innenförde wieder los. Die Norwegen-Fähre bezeugt den pünktlichen Start. Foto: Sönke

Da die Regatta bis zu diesem Zeitpunkt nur drei abgeschlossene Wettfahrten auf der Haben-Seite verbucht, muss die Flotte am Nachmittag wieder raus. Um 14 Uhr ertönt das Startsignal für die vierte Wettfahrt. Und erstaunlich: Der leichte Wind zwischen zwei und drei Beaufort hält dieses Mal. Natürlich gibt es die üblichen Dreher und Windlöcher; aber es reicht, das Rennen in einer guten Stunde zu Ende zu bringen. Die MJK-Mannschaft hat inzwischen den Bogen raus, weiß um ihre Schwächen, aber auch um ihre Stärken: Ausgerechnet mit den Laken platt vor dem Wind fällt das Boot immer wieder zurück. „Und wir haben wirklich noch nicht herausbekommen, woran es liegt“, sagt Stefan anschließend. Das Schwert ist oben; die Mannschaft hat das Gewicht nach vorn verlagert; ständig wandern die Blicke zu den Mitbewerbern, um die eigene Segelstellung zu hinterfragen. Aber es hilft nichts. Kommt der Wind von achtern, fährt auch die Marine-Jugend Kiel achtern. Glücklicherweise gehört zu jedem der Kurse auch die eine oder andere Kreuz und vor allem die Taktik an den Wendemarken. Und da kommt der Kutter tatsächlich immer wieder „aus dem Kreuz“. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren sitzen die Regeln, manchmal zur Überraschung der anderen Crews, wenn das Marine-Jugend-Boot sich nicht mehr höflich von der Boje abdrängen lässt. Blicke in Richtung Schiedsrichter helfen da auch nichts. Die „86“ schiebt sich bei solchen Gelegenheiten wieder nach vorn.

Nur weil alle in die eine Richtung fahren, heißt es nicht, dass der Marine-Jugend-Kutter auch in diese Richtung fahren muss … Foto: har

Mit einem 9. und einem 13. Platz ist die Crew durchaus zufrieden; in „Duell-Situationen“ weiß sie sich inzwischen zu behaupten. Und an den anderen Dingen kann man ja in Zukunft arbeiten. Am Nachmittag war auch unsere Rekonvaleszentin Liv wieder im Stützpunkt, um die Mannschaft anfeuern zu können. Und die Wettfahrt-Organisatoren, die ja bekanntlich ein ganz großes Herz für die Jugendmannschaften haben, setzten sie gleich an Bord einer Barkasse, damit Liv die Wettfahrten auch aus der Nähe betrachten kann. Gerüchte besagen übrigens, dass sie dabei zeitweise selbst das Ruder in die Hand nahm … 🙂 Wieder an Land bekam sie dann gleich Gesellschaft: Arne und Cathrine hatten wie die anderen auch eine Menge Hitze abbekommen. Am Ende der letzten Wettfahrt des Tages kannten die Älteren an Bord kein Pardon und riefen ein Juryboot herbei. Arne und Liv stiegen in das große Motorschlauchboot der Marine um; deren Besatzung brachte die Beiden dann nicht nur schleunigst an Land und in den Schatten. Sie orderten auch gleich Flüssigkeitsnachschub. Am Ende des Tages waren dann alle wieder fröhlich auf den Beinen. Die Organisation dieser Regatta ist wirklich einsame Spitze. Morgen geht es in den Endspurt. Für die letzten Wettfahrten ist wieder Start um 10 Uhr angesetzt. Allerdings sagt der Wetterbericht nicht nur Wind voraus, sondern auch 20 Liter Starkregen in einer Stunde und Gewitter. Was man nicht alles geboten bekommt in einer Kieler Woche!
Klaas

Nicht übermäßig viel Wind, aber genug, um ordentlich über die Strecke zu kommen. Foto: har
Nein, Leute, jetzt ist genug Wind da. Ihr müsst Euch nicht abschleppen lassen. Foto: Fe

Etwas mehr Licht und ziemlicher Frust

Abgehängt! Mit der passenden Portion Coolness schiebt sich die MJK-Crew an der gespreizten Tonne einen Platz nach vorn. Foto: har

Es ist in diesem Fall das Wetter, nicht das Klima, das der Marinekutterregatta echten Ärger macht. Das Hochdruckgebiet, das uns die Windlosigkeit beschert hat, warf heute Morgen erstmal das Programm völlig um. Eigentlich hatte es heute ja auf die lange Strecke nach Schilksee gehen sollen. Aber dieses Unterfangen war der Regattaleitung angesichts der Flaute zu heikel. Und das sicher zu Recht. Also hieß es schon bei der Steuermannsbesprechung, dass wieder die üblichen Dreiecke auf der Innenförde gesegelt werden sollen. Nach dem Ausfall des vergangenen Tages waren ja auch dringend Wettfahrten aufzuholen. Unter der Voraussetzung, dass die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ihre Zustimmung erteilt, könnte die Langfahrt auch morgen in Angriff genommen werden – passende Windverhältnisse vorausgesetzt.

Es kann losgehen: Die Crew takelt den Kutter auf. Am Vormittag ist ihr das Boot mit der Nummer 138 zugelost worden. Foto: har

Die erste Runde am Morgen fällt unter „gewagt, aber leider nicht gewonnen“. Tapfer segelte unsere Mannschaft jedem einzelnen Windfeld entgegen. Aber die Taktik zahlte sich nicht aus, weil die Windrichtung am Morgen wie ein irritierter Kreiselkompass drehte. So gut die Manöver zum großen Teil klappen mochten: Bei diesen Windverhältnissen war jede Wende eine zu viel und nahm Geschwindigkeit aus dem Kutter. Ergebnis: 15. Platz. Aber wie so oft: Eine Marine-Jugend kam noch hinterher. 😉

An den Tonnen wurde es in den Wettfahrten trotz des geringen Windes – oder gerade deshalb – manchmal dramatisch eng. Die MJK-Crew leistete sich aber kein einziges Ramming. Foto: har

Neue Wettfahrt, neues Glück: Und hier zeigte sich, dass man auch aus kleinen Fehlern lernen kann. Der „138er“ hatte es auch mit einer Besatzung in der ersten Wettfahrt der Regatta nicht unter die ersten Zehn geschafft. Aber mit Vorausschau und zusammengebissenen Zähnen an den Wendemarken konnte man von hinten einige Plätze gut machen. Finjas Truppe legte an der letzten Boje und der anschließend letzten Kreuz noch einmal zu, segelte tatsächlich noch zwei Kutter aus, die es der MJK-Besatzung wirklich nicht leicht machten – und ging immerhin als Zwölfte aus dieser Wettfahrt. Immer ein kleines bisschen mehr…

In der dritten Wettfahrt des Tages drängelt sich das Hauptfeld an einer Wendemarke. Eine kleine Gruppe hat sich derweil schon abgesetzt – ganz vorn das RBZ Technik aus Kiel, an Platz fünf die Marine-Jugend Kieler Förde (Bildmitte). Foto: har

Was am Nachmittag kam, war allerdings ein Tiefschlag für die Stimmung mehrerer Mannschaften – auch der Kieler MJ. Kurz nach 13 Uhr waren die Kutter wieder im Stützpunkt gewesen: kurz Verpflegung aufnehmen, vielleicht noch einmal zum „stillen Örtchen“ verschwinden und rasch wieder zum Kutter, der für den Nachmittag zugelost worden war. Die MJK-Crew stieg von „138“ auf „86“ um und machte schnell wieder los. Auf dem Weg zur Regattabahn stellte sich heraus, dass die Mannschaft, die zuvor in dem Kutter gesessen hatte, das Tau zum Schiften des Besans hatte „mitgehen“ lassen – oder ganz ohne ausgekommen war. Der Ersatzteilbeutel gab kein passendes Tauwerk für diese Spiere her. Und auch die Schiedsrichter konnten nicht helfen. Also wurde das lose Ende des Besanfalls kurzerhand umfunktioniert. Als Notbehelf klappte das sogar.

Nicht viel Wind, aber genug für Manövrierfähigkeit und Ruderdruck. Foto: har

Der Start zur Nachmittagswettfahrt funktionierte. Und diesmal blieb der MJK-Kutter vorne dran. Während sich das Hauptfeld an Wendemarken verhedderte, setzte sich eine kleine Spitzengruppe ab. Ganz weit vorn das Kieler RBZ Technik, schon an fünfter Stelle die Marine-Jugend Kieler Förde … Hätte so weitergehen können; die Verfolger waren zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich weit weg. Aber dann: Abbruch der Wettfahrt wegen Flaute. Es hatte zwar für einige Minuten einen Einbruch gegeben, aber bei den vorne liegenden Kuttern reichte der Wind zumindest, um langsam voranzukommen. Ungläubige Gesichter in den Booten und massiv wachsender Frust, die gute Platzierung nicht mitnehmen zu dürfen. Tatsächlich war der Wind auf ein knappes Beaufort abgesackt; aber er nahm nur kurz darauf wieder auf über zwei Beaufort zu, gleich nach dem Abbruch. Und so ergab sich das kuriose Bild, dass die Kutterflotte mit prall gefüllten Segeln zurück in den Marinestützpunkt zum Bootshafen rauschte.

Was wollen die denn schon wieder hier? Die Kutterflotte kommt nach dem Abbruch der Wettfahrt wieder in den Hafen zurück. Foto: har

An Land gab es dann noch heftige Diskussionen zu der Entscheidung, die Wettfahrt vorzeitig zu beenden. Die flatternden Flaggen im Hafen schienen den Kritikern Recht zu geben. Zumindest hätte es wahrscheinlich für ein ordnungsgemäßes Ende des Wettkampfs gereicht. Zur Ehrenrettung muss allerdings gesagt werden, dass sich die Windgeschwindigkeit auch in der folgenden Stunde wie bei einem Paternoster rauf und wieder runter bewegte.

Die Stimmung nach der abgebrochenen Wettfahrt ist bei vielen Crews eher mäßig. Hier werden die Boote ausgeräumt, die Segel und das Zubehör wieder abgegeben. Foto: har

Dennoch blieb das kleine gemeine Gefühl, trotz der sehr guten Segel-Leistung einer Chance beraubt worden zu sein, mal vorn mitsegeln zu können. Die MJK-Crew nahm es aber sehr professionell, übte durchaus Kritik an der eigenen „Performance“ und sprach Punkte an, die vielleicht in den nächsten Wettfahrten noch verbessert werden könnten – Segelstellung im Allgemeinen, das Backnehmen der Fock im Besonderen. Egal, wie der dritte Regattatag ausgegangen mag: Eine gute Lernkurve kann unserer Mannschaft mit Fug Recht bescheinigt werden. Kompliment „vom Beckenrand“ aus. 😉 Morgen startet die Flotte erneut, vielleicht sogar auf dem langen Kurs Richtung Schilksee. Die Ergebnisse der Wettfahrten finden sich alle auf www.marinekutterregatta.de.
Klaas

Der dritte Tag ist gelaufen – mit einem Abschluss, den sich die Crew ein bisschen besser vorgestellt hätte. Aber morgen geht es wieder von vorn los. Foto: har

Zweiter Tag: Flaute

Am Nachmittag schleppen sich die Kutter zur Bahn auf die Förde. Aber der Wind lässt die Wettfahrt im Stich: Foto: har

Die erste Nachricht des Morgens: Startverschiebung! Die beiden geplanten Wettfahrten am Vormittag sollten ausfallen; ab 14 Uhr, so die Hoffnung, könnte ein Versuch gestartet werden. Die Begründung für die Hoffnung ist eine Eigenheit der Kieler Innenförde: Selbst, wenn vor Schilksee keinerlei Lüftchen zu spüren ist, verursacht die Thermik über der Stadt auf der Innenförde gegen Nachmittag regelmäßig etwas Luftbewegung. Darauf setzten heute Regattaleitung und Mannschaften.

Die Stunden bis zum Auftakeln des Kutters müssen gefüllt sein: Kniffel, uno und Quiz-Duell bringen die MJK-Crew über die Runden. Haribo tut sein Übriges… 😉 Foto: har

Den Vorsitzenden erreicht nach kurzer Zeit der telefonische Hilferuf: Gibt es hier so etwas wie Gesellschaftsspiele? Kurze Antwort: nein. Aber dazu hat man ja die greisen Ehrenamtler, damit man sie zum benachbarten „famila“-Markt schicken und Abhilfe verschaffen kann. Ein Kniffel-, ein uno-Spiel und eine große Tüte Lebkuchen später (ist ja schließlich schon September, wenn auch bei 21° Celsius), ist die Truppe befriedet und kann sich die übrige Zeit vertreiben.

Der Versuch wird gewagt: Die Kutter werden für eine Wettfahrt vorbereitet. Foto: har

Kurz vor 13 Uhr wird es lebhaft im Kutterhafen: Die Mannschaften trudeln ein und setzen Segel. Um aus dem Stützpunkt herauszukommen, reicht das allerdings nicht. Eine Crew nach der anderen bringt Riemen aus, um sich pullend in Richtung Startlinie zu bewegen. Dort angekommen, machen kleine vereinzelte Windfelder sogar Hoffnung, dass man den Start wagen kann. Allerdings muss die Kutterflotte warten. Die Regattabahn befindet sich vor dem Stützpunkt. Und heute kommen mehrere Minenjagdboote zurück nach Kiel, die nicht auch noch stundenlang auf eine Regatta warten sollen. Die Kutterflotte verzieht sich ganz, ganz langsam ein Stück in Richtung Innenförde und wartet dort ab, bis die großen grauen Boote in den Hafen eingelaufen sind. Dann allerdings ist tatsächlich auch der letzte Windhauch wieder verschwunden.

Vorbildlich entspannt an der Pinne: Kutterführerin Finja. Foto: har
Wenn man schon nicht schnell ist, kann man wenigstens schnell aussehen. Der Leetrimm hilft. Foto: Fe

Kurz vor 15 Uhr flitzen erneut die Motorboote der Schiedsrichter und Regattahelfer durch die Kutterflotte. Abbruch. Endgültig. Ein Kutter nach dem anderen schwenkt mühsam den Bug zurück in Richtung Hafen. Viele nutzen erneut die Riemen, um überhaupt voran zu kommen. Kutter 138, auf dem die Marine-Jugend Kieler Förde vor sich hindümpelt. kommt in der Flaute kaum in die Wende. Da muss dann eben erneut die ehrenamtliche Abteilung aushelfen, die glücklicherweise dienstlich vor Ort ist: Vorleine an Achterleine – und schon helfen „Colombina“ und ihre fünf Außenborder-Pferdestärken dem MJK-Kutter bis kurz vor den Liegeplatz. Und das mit 2,9 Knoten – eine Geschwindigkeit, die heute aus eigener Kraft gar nicht möglich gewesen ist. Aber morgen ist auch ein Tag – und dann auch noch mit dem langen Schlag nach Schilksee. Aber wir haben uns ja nichts anderes vorgenommen.
Klaas

Wer sagt denn, dass fünf PS nicht ausreichen, um einen ausgewachsenen Marinekutter zu schleppen? Foto: har
Eine Seefahrt, die ist lustig … Naja, Hauptsache, es geht voran. Foto: Fe

Am ersten Tag wurde ausprobiert

Heute in der ersten Wettfahrt mit dem Kutter Nummer 8 unterwegs – die Boote waren selten allein auf weiter Flur. Foto: Fe

Am Ende des ersten Wettfahrt-Tages lässt sich sagen: Es ist eine richtig harmonische Truppe unterwegs: Finja, Liv, Ricarda, Cathrine, Stefan, Malte, Arne und Sahand, den wir für Fotos von Bord für diese Woche „ausgeliehen“ haben, waren schon am Schluss des Vormittagstrainings ein eingespieltes Team.

Die Organisation der Marinekutterregatta hatte sich nicht auf Experimente eingelassen. Was sich in der ersten Corona-Ausgabe der Regatta im vergangenen Jahr bewährt hatte, funktionierte auch 2021: Meldung im Regattabüro, Abgabe der Listen, Zelte für jede Mannschaft – und die Kutterverteilung, wie man es schon gewohnt war.

Team Marine-Jugend Kieler Förde: Trotz des jugendlichen Alters schon eine Menge „alter Hasen“ dabei. Foto: har

Bei der ersten Steuermanns-Besprechung machten die Cheforganisatoren Michael Woyna, Michael Bauer und Bodo von Reth klar, dass wir uns nicht darauf verlassen dürfen, dass die zugelosten Kutter alle gleich schnell unterwegs sein würden. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr werden die Boote tatsächlich auch nicht den jeweils ganzen Tag zugelost, sondern wo immer möglich auch nach den Vormittags-Wettfahrten neu zugeordnet. Frei nach Michael Woynas Motto „Bei starkem Wind kann jeder schnell segeln“ wurde diese Aussage bei der ersten Wettfahrt am Nachmittag gleich auf die Probe gestellt – und zumindest in Teilen zumindest in Zweifel gezogen: Der Wind war kaum vorhanden, und doch blieben die 16 Boote recht nah beieinander. Die Marine-Crew im Bootshafen hatte bei der Durchsicht und Ausstattung der Kutter offensichtlich ganze Arbeit geleistet. Boote, bei denen die Masten in verschiedene Himmelsrichtungen zeigen, waren jedenfalls in der Flotte nicht zu sehen.

Steuermann/frau-Besprechung vor der ersten Wettfahrt: Das Organisationsteam ist so professionell und zugewandt wie gewohnt. Foto: har

Ein mächtiger Schreck fuhr aber allen direkt vor Beginn der ersten Wettfahrt in die Glieder: Liv war im Boot beim Auftakeln gefallen und hatte sich einen Knöchel böse verletzt. Die Rettungskette funktionierte allerdings tadellos. Nach einer sehr liebevollen Erstversorgung durch die Marinesanitäterin Christine Blank kam auch schon ein Rettungswagen der Feuerwehr in den Stützpunkt. Im Krankenhaus stellte sich dann heraus, dass Liv zwar Glück im Unglück gehabt hatte. Mit der Teilnahme an den weiteren Wettfahrten wird es aber nichts. Da sind die Ärzte vor. Also muss die Crew nun für Liv mitsegeln! Alle drücken ihr jedenfalls die Daumen, dass der Fuß schnell wieder in Ordnung kommt. Sie gehört schließlich fest zu dieser Kutter-Crew.

Auftakeln: Bei jedem übernommenen Boot müssen zunächst die Segel angeschlagen werden. Und nach Ende der Vormittags-/Nachmittags-Wettfahrten heißt es, die Kutter wieder abzurüsten und ordnungsgemäß zu übergeben. Foto: har

Auf dem Wasser mussten sich unsere Seglerinnen und Segler wieder an die Regatta-Bedingungen gewöhnen. Das vermeintliche Hupen der Fähren ringsum (die tatsächlich genau in diesem Moment ihre Tröten betätigten) war jedenfalls in einem speziellen Fall auch der „Startschuss“. Glücklicherweise erkannte die Crew das auch am Niederholen der Klassenflagge auf dem Startschiff – und los ging es. Ein taktisches Risiko im ersten Drittel der Wettfahrt zahlte sich leider nicht aus. Und so musste das Feld ganz vom Tampen angegangen werden. Das klappte sogar. Zeitweise kam der Kutter mit der Nummer 8 wieder bis auf den 12. Platz voran. Bei einem Tonnen-Gerangel hielt sich die Mannschaft dann aber berechtigterweise aus dem Wuhling heraus und zog den Bogen lieber etwas größer. Das bedeutete immerhin zum Schluss den 14. Nichts, wofür man sich hier schämen müsste. In diesem Jahr ist die Kieler Marine-Jugend auch nicht ganz allein mit diesem Namen unterwegs: Die MJ aus Wertheim ist ebenfalls dabei. Wenn man sich überlegt, wo überall bei Marine-Jugenden noch mit Kuttern gesegelt wird, bleibt aber noch mächtig Luft nach oben bei der Beteiligung. Morgen geht es weiter – mit den Wettfahrten 2, 3 und 4. Wer den Verlauf verfolgen und die Ergebnisse der Fahrten sehen möchte, findet diese übrigens auf: www.marinekutterregatta.de.

Klaas

Nach der morgendlichen Windstille kamen die Kutter am Nachmittag dann doch noch in Fahrt. Foto: har
Lob von der Bootshafen-Crew: Keine Mannschaft kann ihre Segel so gut zusammenlegen wie unsere. 😉 Foto: Blank

Theorie gleich in die Praxis umsetzen

Die Opti-Flotte geht zum Training wieder auf die gewohnte Kieler Förde. Foto: Christiane

Nun war die allgemeine Opti-Gruppe wieder dran mit Training. Die Förde war voller als gewohnt – klar: die Kieler Woche hatte begonnen –, aber es war ein schöner Spätsommertag mit gutem Wetter und reichlich Wind. Die Gruppe musste einige Dinge (wieder) lernen und üben. Und so fingen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Halbwindkursen an und machten eine Wende nach der anderen, um mit den Booten vertraut zu werden.

Auch der schönste Segeltag findet ein Ende. Es geht wieder an den Steg. Foto: Christiane

Die zwischendurch eingelegte Pause war nur eine Pause von der Praxis; denn wir nutzen sie, um eine kleine Theorie-Einheit einzulegen. Das Verhalten der Boote auf dem Wasser bedarf halt der einen oder anderen Erklärung. Das frisch Erlernte musste dann im Anschluss umgehend und erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden. Eine durchaus schöne Erfahrung, wenn man bei einer solchen Lern-Einheit gleich eine steile Lern-Kurve feststellen kann. 😉

Kippelige Angelegenheit: Finja und Malte machen mit dem Rumpf des 420ers „Jam Jam“ eine Dichtigkeitsprüfung auf die harte Tour. Foto: Christiane

Für die Ausbilder war der Tag allerdings noch nicht ganz zu Ende. Guido hatte bei unserem Ausflug nach Sundsacker einige Zweifel an der Dichtigkeit unseres 420ers „Jam Jam“ bekommen. Die Wassermenge IM Boot war nach einer Nacht vielleicht nicht doch allein dem Regen zuzuschreiben. Und so warfen wir den Rumpf von „Jam Jam“ in die Förde, damit Finja und Malte sich die Bescherung von innen ansehen können. Sagen wir es mal so. Wir haben da noch ein, zwei, drei Baustellen, die der Nacharbeit bedürfen.
Christiane

Ein fantastisches Wochenende mit viel, viel Regen

Einige hatten schon losfahren müssen, um Material wegzubringen. Aber alle anderen großen und kleinen Teilnehmer des Segelwochenendes zeigen am Ende des Ausflugs noch einmal stolz und ziemlich müde die Erinnerungs-Armbänder, die die zweite Vorsitzende Tina angefertigt hatte. Foto: har

Was für ein Segel-Erlebnis! Mit gut zwei Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmern hatten wir uns auf den Weg nach Sundsacker an die Schlei gemacht. Die Logistik hatte es in sich gehabt. Über Wochen waren Boote vorbereitet, das Material gesichtet, Zugfahrzeuge und Anhänger organisiert worden. Dazu vorbereitende Besuche bei „Event Nature“, die Absprachen für die Verpflegung und … und … und … Und wie immer waren viele helfende Hände nötig gewesen, mehr Personen beteiligt als tatsächlich mitfahren konnten. Rolf hatte einen Laster gestellt, Dirk, Mirco und Heiko je einen Anhänger. Donnerstag vor dem Ausflugswochenende gab es ein Alle-Frau/Mann-Manöver, um Boote und Material einzupacken. Kati und Dörte kochten einen Abend lang in riesigen Töpfen vegetarische Bolognese, um eine warme Mahlzeit sicherzustellen. Auch in vielen anderen Familien wurde Salate und Brötchen für den ersten Abend vorbereitet. Und dann stellten wir am Freitag auch noch diverse kleine Hindernisse vor der eigentlichen Abfahrt fest. Kaum ein Anhänger konnte problemlos in Schlepp genommen werden. Hier funktionierte ein Blinklicht nicht; dort passte das Lichtkabel nicht an den Stecker, wenn ein Adapter der Kupplung selbst in den Weg geriet. Und doch wurde jedes einzelne Hindernis beseitigt oder umschifft. Und nach und nach polterte ein Bootsgespann langsam und mit Warnblinklicht über die Kiellinie.

Auspacken der Boote in Sundsacker, bevor die Sonne untergeht. Das Wetter hält noch … Foto: har

Als alle Fahrzeuge in Sundsacker angekommen waren, hieß es abzuladen und die Hütten zu beziehen. Ein Gebäude für die Mädchen und Frauen, eins für Jungen und Männer – und zwei Doppelzimmer in einer dritten Hütte gab es auch noch. Während am Schleiufer mehr oder weniger eilig die Boote aufgeriggt wurden, griff sich Tina die erste der eingeteilten Küchenmannschaften und bereitete das Abendessen vor. Der Grill wurde angeworfen. Und Stefan stellte sich in bewährter Weise an den Rost und wendete Fleisch und Würstchen.

Stefan meistert den Grill – neben ihm wird übrigens ein gewaltiges Büffet mit Salaten, Dips, Pizzabrötchen und vielen anderen Leckereien aufgebaut. Foto: har

Irgendwann war es dann zu Ende mit dem natürlichen Licht von oben. Das Vorbereiten der Boote wurde eingestellt. Und alle strömten auf den Platz vor den Hütten, wo schon Tische und Bänke aufgestellt worden waren. Beim Abendessen begann dann auch der Regen zu strömen – was er mit kurzen Unterbrechungen das gesamte Wochenende tun sollte. Aber wenn das Programm stimmt und alle die Lust auf das gemeinsame Erlebnis teilen, gerät das schlechte Wetter in den Hintergrund. Die Küchenmannschaft übernahm das Abräumen und Abwaschen in der kleinen Küche. Der Rest der Truppe verteilte sich zunächst auf die Hütten, um die mitgebrachten Gesellschaftsspiele auszupacken.

Das erste Abendessen beginnt. Noch ist nur der Rasen feucht. Eine Viertelstunde später kommt bereits der „Nachschub“ von oben. Foto: har

Andreas und Mirco hatten aber schon die große Grillhütte am Rand des Ferienlagers erkundet, die theoretisch allen offen steht. Da unser Verein allerdings der einzige Nutzer des Camps war, nahmen wir das kleine Holzgebäude in Beschlag. Bald prasselte in der Mitte ein wärmendes Feuer. Und nach und nach fanden sich die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein – viele mit Spielkarten, einige nur zum Klönen. Die meisten Jugendlichen verzogen sich nach ein, zwei Stunden freiwillig in die Kojen. Es war doch ein ziemlich anstrengender Tag gewesen.

Am späten Abend machten wir noch einmal eine Kontrollrunde bei den Booten am Schleiufer. Wind und Strömung hatten den Wasserpegel steigen lassen. Und da wir uns nicht ganz sicher waren, wie das in der Nacht weitergeht, zogen wir alle Boote vorsichtshalber noch ein Stück das Ufer hinauf.

Da sind wohl wirklich einige richtig müde … 😉 Foto: har

Neuer Tag, neues Glück: Der Regen hatte sich zwar über Nacht verstetigt; aber auch der Wind hatte aufgefrischt. Die Vorhersage hatte in den Tagen zuvor ständig geschwankt, aber zwischen 4 und 6 Beaufort war alles drin gewesen. Und da am Morgen nun in der Ferne auf der Schlei kleine weiße Kämme auf den Wellen zu sehen waren, wurde Malte mit einem Opti auf Erkundung geschickt. Ergebnis: Die begleitenden Schlauchboote und die Optimisten würden zunächst alle sein, die ernsthaft auf das Wasser könnten. Die großen Jollen, egal welcher Klasse, wären ernsthaft überfordert. Janek, Finja und Malte senkten jedenfalls einhellig die Daumen – und Erfahrung schlägt in Sicherheitsfragen jeden Enthusiasmus.

Hannes legt ab. Die Optimisten sind bei diesen Wetterverhältnissen die einzigen Segelboote, die genutzt werden dürfen. Foto: Andreas

Janek, Finja und Malte hatten sich auch auf ein Segelgebiet für dieses Wochenende geeinigt – von der Steganlage aus ausschließlich in Richtung Kappeln. Denn direkt neben der Ferienanlage befindet sich eine Fähre über die Schlei nach Arnis, die auch noch an einer Stahltrosse hin- und hergezogen wird. Freihalten hieß deshalb die Devise. Wie richtig diese Vorgabe war, zeigte sich auch jedes Mal, wenn die Strömung die Boote – ob mit oder ohne Motor – Richtung Mündung zog.

Opti-Flotte auf der Schlei – die kleinen Jollen zeigten wieder einmal ihren großen Spaß-Faktor. Deshalb stiegen auch die „Großen“ gern wieder ein. Foto: Andreas
Ohne die begleitenden Motorboote ging nichts. Und auch die schaukelten kräftig. Foto: mor
Die „gelben Engel“ von der Schlei 😉 – zum Glück gab es am gesamten Wochenende nur eine einzige Kenterung. Foto: har

Die Jollen, die wir am Vorabend schon ins Wasser an die Steganlage gebracht hatten, waren in der Nacht fast vollgelaufen. Mirco und Klaas mussten zudem ein schlagendes Want bei dem 420er „Jam Jam“ wieder bändigen und befestigen. Der Beschlag hatte sich in der Dunkelheit auf die Reise ins Nirgendwo gemacht. Jeweils mehr als 140 Liter Wasser mussten aus den Booten geschöpft werden …

Keine gute Idee bei diesem Wind: Ein Want hatte sich über Nacht gelöst. Mirco und Klaas befestigen es wieder. Natürlich geht bei den ersten Versuchen auch gleich der nächste Bolzen auf Grund. Foto: Stefan

Am Nachmittag mussten dann doch zumindest der mitgebrachte „Jeton“ und der „470er“ eine Runde auf der Schlei drehen. Unter Applaus wurden die Jollen nämlich in der Schlei getauft – der „Jeton“ auf den angesichts seiner Farbe sehr passenden Namen „MeerOrange“; der „470er“ hört nun auf den Namen „Snorre“. Im Schlepp des großen Motorboots wurde dann gleich eine Runde gedreht – länger als gedacht, denn nach der ersten Schleife kam eine Motoryacht in den Weg, nach dem Ausweichen der örtliche Rettungskreuzer.

Mit Schleiwasser von Finja und Janek getauft: „MeerOrange“ und „Snorre“. Foto: har
Nach der Taufe die erste offizielle Runde auf der Schlei – angesichts des Windes allerdings ohne Segel. Foto: har

Die meisten verbrachten fast den ganzen Tag auf dem Wasser, Wetter hin oder her, unterbrochen nur von dem Mittagessen und einer kurzen Pause. Als nur noch drei Optis mit Finja, Janek und Konstantin auf der Schlei unterwegs war, entschied Stefan nach kurzer Beobachtung doch mal auf die andere Seite der Fähre zu segeln. Mit hochgeholten Schwertern segelte und motorte die kleine Armada an der Fähre vorbei und rundete eine Befestigung in der Mitte der Schlei. Nachdem sich die Fähre dann erneut in Richtung Arnis aufgemacht hatte, fuhr besagte Armada erneut über die Haltetrosse und lief wieder in ihren kleinen Hafen ein.

Anlauf auf den Bereich der Fähre – und reichlich Spaß dabei gibt es offensichtlich auch. Foto: har

Nach dem feuchten Tageserlebnis wanderten dann doch etliche Seglerinnen und Segler zu den Duschen, um sich wieder richtig aufzuwärmen. Die Boote wurden an Land gezogen und provisorisch abgeriggt – provisorisch deshalb, damit es am nächsten Morgen bei günstigen Bedingungen gleich wieder losgehen konnte. Derweil brodelte es in den Kochtöpfen. Immer wieder schauten hungrige Vertreter/innen 😉 in der Küche vorbei – nur mal so zum Probieren … Allerdings wurde die Restenergie bis zum Abendbrot noch auf dem Platz vor den Hütten verbraucht. Drei Wikinger-Schach-Spiele warteten dort aufgebaut auf ein Turnier. In Windeseile war die ganze Gruppe in sechs Mannschaften aufgeteilt und legte los. Dabei waren die vorhergehenden Anstrengungen durchaus zu spüren, flog der eine oder andere Holzscheit doch gefährlich hoch und weit…

Am Vorabend wurde hier noch gegrillt. Nun muss Platz sein für die klatschnassen Segel-Klamotten. Foto: har
Hätte es beim Wikinger-Schach auch Haltungsnoten gegeben, wäre diese Mannschaft ziemlich weit vorn gewesen… Foto: har
„Da hinten muss das Ding hin“ – noch mal volle Konzentration bitte. Foto: har
Mit dem letzten Elan dabei, aber Janek will schon gar nicht mehr wissen, wo die Würfe von Christiane und Malte landen werden. 🙂 Foto: har
Scheint zu schmecken: Liv und Cathrine wollen das Abendbrot nicht mehr so lange abwarten… Foto: mor

Dann wurde richtig getafelt. Da der Unterstand des Vorabends durch den Regen zur Hälfte klatschnass war, verzog sich die gesamte Truppe gleich ans lodernde Feuer in die Grillhütte, stillte den Hunger und streckte zum ersten Mal an diesem Tag die Beine aus. Was dann folgte, wird wohl landläufig als „Fresskoma“ bezeichnet. Aber auch das dauerte gar nicht so lange. Denn nun fanden sich in der wunderbaren Grillhütte wieder die Gruppen zum Klönen zusammen, was bis in den späten Abend andauern sollte.

Die Ruhe nach dem Sturm: Alle sitzen zufrieden beim Abendbrot in der Grillhütte. Foto: mor

Der Sonntag musste aber auch noch genutzt werden. Also schnell die Hütten aufklaren, aufräumen und ans Wasser, um zu sehen, was geht. Janek, Finja und Malte beschlossen, zumindest die beiden gutmütigen „Floh“-Jollen neben den Optimisten auf das Wasser zu schicken. Das klappte auch. Ein „Floh“ hatte zwar nach kurzer Zeit ein technisches Problem mit der Ruderanlage und musste wieder zum Steg zurück; aber die andere Jolle wurde für den Rest der Segel-Zeit noch intensiv genutzt und jagte über die Schlei. Überflüssig zu erwähnen, dass es fast die gesamte Zeit über immer wieder nieselte.

Der gutmütige „Floh“ verträgt eine Menge Wind – kein Wunder, dass so gut wie keine andere Jolle auf der Schlei zu sehen ist. Foto: Andreas
Der zweite „Floh“ macht zunächst auch „bella figura“, bis das Ruderblatt aus seiner Halterung springt und nicht mehr zuverlässig zu befestigen ist. Foto: Andreas

Irgendwann ist es dann leider soweit: Die Boote müssen mittags aus dem Wasser; die nächsten Gäste beziehen in der Ferne bereits die Hütten. Und mit verteilten Rollen werden die Gespanne beladen, die Boote verzurrt, Küche und Sanitäranlagen übergeben, die Vorräte wieder verstaut. Guido macht sich mit dem vollgeladenen Transporter von Rolf als erstes auf den Weg zurück nach Kiel. Ein Gespann nach dem anderen folgt. Etwa anderthalb Stunden später sind alle wieder am Vereinsheim an der Kiellinie angekommen. Und obwohl das Team eingespielt ist, braucht es ein paar Stunden, bis das ganze Material wieder verstaut ist. Denn Boote, Hänger und Schwimmwesten müssen zunächst gut mit Süßwasser gespült und getrocknet werden. Das große Schlauchboot kam wieder vom Trailer in die gewohnte Kieler Förde und wurde von Stefan an den Liegeplatz in den Sportboothafen gefahren. All das braucht halt seine Zeit. Muss man noch erwähnen, dass es in Kiel bei der Ankunft natürlich nicht regnete..? Dennoch war es ein richtig schönes Segel-Wochenende und ein gutes Gemeinschafts-Erlebnis. Wenn alles gesackt ist, werden wir mal herumfragen, wie die verschiedenen Eindrücke gewesen sind – um daraus folgern zu können, wie wir unsere nächste Reise gestalten.
Klaas

Vorbereitung auf die Weiterfahrt

Die „Gegenwind“-Crew sieht nach langer Zeit wieder Licht am Horizont und bereitet sich zum Aufbruch in Richtung Thailand vor. Foto: Asha & Helge

Sie sind zweimal gegen Covid 19 geimpft, haben den Motor repariert, ihrer Yacht von unten einen „Frühjahrsputz“ verpasst, die Vorräte aufgefrischt, das Boot gründlich inspiziert – und wo nichts anderes half: Tape drum rumgewickelt. Eigentlich könnte es nun endlich losgehen. Asha Reich, unser Mitglied Helge Aßmann und ihre Segelyacht „Gegenwind“ harren nunmehr seit 575 (!) Tagen an ihren Ankerplatz vor Dili in Osttimor aus. „Urlaubsreif“ nennen Asha und Helge ihren aktuellen Zustand. Phuket auf der gleichnamigen Insel in Thailand soll als nächstes angesteuert werden – ein Schlag von rund 2.000 Seemeilen. Doch einige Dinge fehlen noch zum Glück – für die muss die Crew an Land: Wasser, Restvorräte und das Ausklarieren. Das verhindert jedoch zurzeit das Wetter mit 5 bis 6 Bft aus der falschen Richtung. Wir drücken die Daumen, dass die „Gegenwind“ Fahrt aufnehmen kann. Über den aktuellen Stand informieren Asha und Helge wie immer in ihrem Logbuch.
Klaas