Nicht nur an der Förde kreuzt Corona dazwischen

Asha und Helge müssen auch ihre (selbst gefertigten) Masken anlegen – in Osttimor. Foto: Reich/Aßmann

Das Segeln hat Helge Aßmann an der Kieler Förde bei der Marine-Jugend gelernt: Opti, Jolle, Kutter, Yacht … für Viele der übliche Weg in diesem Wassersport. Wahrscheinlich nicht ganz so üblich ist der Weg danach – seit Sommer 2014 kreuzt Helge gemeinsam mit Asha Reich auf der Yacht „Gegenwind“ über die Weltmeere und trägt den Marine-Jugend-Wimpel in entlegenste Gegenden. Zurzeit ist aber auch das alles andere als nur vergnüglich. Denn die beiden Segler sitzen seit Wochen in Osttimor fest. Der Grund, Ihr könnt es Euch denken, ist die Corona-Pandemie. Wie Asha und Helge mit der Situation umgehen – und was sie alles bisher schon erlebt haben, erfahrt Ihr in ihrem Logbuch. Stöbern lohnt sich.
Klaas

Nun könnte es losgehen – eigentlich …

Konzentriert und auf Abstand bei den letzten Pinselstrichen – Malte und Dieter. Foto: har

Es sind diese fiesen Kleinigkeiten, die immer auf den „letzten Pfiff“ dazukommen: Der eine Außenborder lässt sich nicht vernünftig hochklappen … oder die neu gekaufte Lenzklappe passt in den Ausschnitt im Boden des 420ers – nur die Schraubenlöcher sind zu nah am Rand … oder die Farbe für das Ausbessern der letzten Stellen am Rumpf ist nur auf der Dose identisch mit der harten Realität … Aber es sind tatsächlich Kleinigkeiten. Auch wenn wie immer im letzten Moment hier und dort nachjustiert werden muss: Der Großteil der Flotte der Marine-Jugend Kieler Förde kann nun ins Wasser.

Außenborder gehen auf Reisen. Bei der Durchsicht sind noch kleine Macken aufgetreten, die in einer Werkstatt in dieser Woche behoben werden müssen. Notfalls ginge es auch so; aber besser ist besser. Foto: har

Die staatlichen Beschränkungen für den Segelsport sind mit dem heutigen Tag gelockert. Es heißt immer noch, Abstand zu halten. Und Hygiene-Regeln sollten auch in Nicht-Pandemie-Zeiten befolgt werden. Aber bei den meisten Booten ist das bei etwas Aufmerksamkeit umzusetzen. Wie das beim Training mit den Jollen im Einzelnen aussehen wird, muss der Vorstand nun festlegen. Die „Dickschiffe“ sollen nach Öffnung der Häfen auch schleunigst an ihre Liegeplätze. Aber da alle enthusiastischen Seglerinnen und Segler rings um die Kieler Förde nach der verlängerten Zwangspause ihre Yachten möglichst gleichzeitig „in den Bach werfen“ wollen, wird die Infrastruktur – also die freie Kapazität bei den Kränen – darüber entscheiden, wann das bei uns sein wird.

Das war es: Helmut hat letzte Hand angelegt. Der letzte Beschlag des Kutterruders glänzt. Und nun müssen nur noch die Klebestreifen nach dem Trocknen abgenommen werden. Foto: har

An diesem Wochenende waren wieder viele fleißige Helferinnen und Helfer vor und im Marineheim, haben kleine und große Jollen verholt, untersucht, schwere Winterplanen abgenommen, leichte Saison-Persenninge aufgezogen, Boote für letzte Handgriffe in die Halle geschoben. Zwischendurch sind bei den durchaus kraftraubenden Tätigkeiten auch Pausen fällig. Und wie verbringt man die besser als mit einer kleinen Regatta? Ein Angebot von Nachbarn an der Kiellinie half da zum Glück weiter: das eSailing vom Camp 24/7. Deshalb runzelte ausnahmsweise niemand die Stirn, wenn große und kleine Segler, in der Sonne an Boote gelehnt über ihren Smartphones brüteten und möglichst schnell ihre virtuellen Yachten über die Ziellinie brachten. Denn alle wissen, dass diese Fähigkeiten nun endlich mit echten Booten und echtem Wind auf echtem Wasser umgesetzt werden sollen.
Klaas

Zwischen Streichen, Takeln, Riggen und Hin- und Herschieben muss ein bisschen Segeln passen – und sei es als „eSport“. Foto: bür

Betriebstemperatur bald erreicht

Die letzten Striche – Wasserpass und Antifouling. Stephan und Tinka haben das Ruderblatt des ZK-10-Kutters betriebsfertig. Foto: bür

Es ist jedes Jahr erstaunlich, wie viel Aufwand man so betreiben kann, um die Boote in einen halbwegs segelbaren Zustand zu versetzen. An diesem Wochenende stimmten aber die Rahmenbedingungen perfekt, um wieder ein Stück zu schaffen und langsam auf „Betriebstemperatur“ zu kommen. Mit großem Abstand zueinander zu werkeln, ist zwar nicht ganz so vergnüglich, aber der Sonnenschein glich das wieder aus. Ein gutes Dutzend Marine-Jugend-Mitglieder legte im Schichtbetrieb Hand an und machte vorsichtige Pläne für die kommenden Monate. Es sieht auf jeden Fall so aus, als ob sich sämtliche Vorhaben in diesem Jahr auf die Kieler Förde beschränken. „Weitere Fahrten werden wohl in 2020 nichts werden“, sagte schon Sportwart Dennis auf der jüngsten Vorstandssitzung. Und der ist wirklich nicht für Pessimismus bekannt.

Ausgepackt. Die Varianta „Regulus“ bekommt wieder Luft und Sonne. Foto: bür

In den kommenden Tagen werden die Flächen vor dem Marineheim zwischenzeitlich ziemlich bunt werden, wenn wir einen großen Teil der Boote an die frische Luft aus der Halle fahren und jeweils komplett aufriggen. Nicht, dass uns da noch in letzter Sekunde, wenn es endlich soweit ist, winzige – aber entscheidende – Teile zum Glück fehlen.
Klaas

Dann eben online …

Von Angesicht zu Angesicht und live gehen notfalls auch über das Internet. Foto: har

Vereinsarbeit will organisiert sein, in Zeiten einer Pandemie vielleicht eher schlecht als recht; aber ganz ohne geht es nicht. Und dazu gehören bei uns wie bei anderen Vereinen regelmäßige Vorstandssitzungen. Üblicherweise treffen wir uns mindestens in der Schulzeit monatlich im Gruppenraum des Marineheims an der Kieler Förde. In Zeiten von Abstandsgeboten, vor allem in geschlossenen Räumen, wenn so ein Treffen im Schnitt jeweils eine Stunde dauert, ist das keine zielführende Lösung. Da ist es aber sehr praktisch, wenn mindestens eine/r im Vorstand über das Knowhow verfügt, diese Sitzung einfach online stattfinden zu lassen. Gesagt. Getan. Wir haben es für uns das erste Mal ausprobiert, und es war super bequem: Nicht nur, dass wir uns live sehen und hören konnten – nicht ganz unwesentlich für Kommunikation –, das gleichzeitige Bearbeiten von Präsentationen und Protokollen, der gemeinsame Blick ins Bankkonto, einfach alles funktionierte sehr luxuriös.

Nun sehen wir uns untereinander trotzdem lieber bei Vorstandssitzungen gegenseitig in die Augen. Aber, so frotzelten wir, wenn das Wetter schlecht ist, es nichts Vernünftiges zu trinken und zu essen gibt, kann man auch in der Nach-Corona-Zeit sicher wieder auf dieses Tool zurückgreifen. Und selbst Jahreshauptversammlungen könnten auf diese Weise umgesetzt werden, wenn mal wieder eine Seuche kommt. Das gibt allerdings die Satzung nicht her – noch nicht … 😉
Klaas

Langsam nimmt es wieder Fahrt auf

Nach dem völligen Stillstand geht es nun langsam, ganz langsam wieder voran. Foto: har

Vorsicht bleibt die Mutter der Porzellankiste. Abstandsregelungen und andere Vorgaben werden weiterhin in den kommenden Wochen den Alltag auch der Seglerinnen und Segler bestimmen. Aber eine Pressekonferenz der schleswig-holsteinischen Landesregierung hat uns ein bisschen Hoffnung schöpfen lassen – weil Monika Heinold, die stellvertretende Ministerpräsidentin, dabei erwähnt hat, dass vielleicht unter Umständen hoffentlich, wenn alles gut geht, auch die Sporthäfen im Norden Anfang Mai wieder geöffnet werden können.

Der Corona-Abstand stimmt: Stefan und Dieter befreien die Varianta 65 „Regulus“ von ihrer Winter-Persenning. Foto: har

Die Jollen haben in der jüngsten Vergangenheit unser Hauptaugenmerk erhalten. Die mögliche Öffnung der Häfen jedoch lässt uns auch wieder die großen Boote in den Blick nehmen. Dieses Wochenende ging es los. Einzeln oder in „Pärchen“ begannen die Arbeiten, um Yachten und Marinekutter aus dem Winterschlaf zu wecken. Persenninge wurden vor den „Schiffen“ gezogen, die Gestelle, die die Planen hielten, abgebaut.

Obenherum glänzt der Kutter „Fritjof“ schon wieder. Stephan kümmert sich um den Bereich unterhalb der Wasserlinie. Foto: har

Und selbst wenn die Marinekutterregatta in diesem Jahr ausfallen sollte, ist unser ZK-10-Kutter „Fritjof“ dennoch eines unserer wichtigsten Ausbildungsboote. Der Lack oberhalb der Wasseroberfläche ist schick. Das Ruder, die Masten und Spieren, die Riemen wurden allesamt geschliffen und gestrichen. Was noch fehlt, ist ein neuer Antifouling-Belag, den sich Stephan und Tinka vorgenommen haben. Zuerst muss der alte Anstrich runter. Und die Schutzausrüstung dazu hat fast medizinischen Charakter: Handschuhe, Schutzbrille sowie Mund-Nasen-Schutz in der geforderten Qualität.

Tinka nimmt sich vorsichtig den Antifouling-Belag des vergangenen Jahres vor. Foto: har

Gut für uns, dass das Wetter so stabil in diesen Tagen ist. Auf die Temperatur kommt es noch nicht so an – aber trocken sollte es schon sein. Wer wie Tinka und Stephan zum Schleifen unter den Kutter krabbelt, liegt natürlich nur ungern in tiefen Pfützen. 😉 Anfang Mai wird „Fritjof“ wieder fit sein. Immerhin hatten wir uns Einiges vorgenommen in diesem Jahr. Deshalb bekommt der Kutter einen neuen Satz Segel. Und wir werden – Alleinstellungsmerkmal nennt man das wohl – außerhalb jeder Wettfahrt mit einem Klüverbaum und einem zweiten Vorsegel unterwegs sein.

Helmut hilft beim Schleifen am Kutter „Fritjof“; aber vor allem hat er die meisten Beschläge des Bootes wieder saison-fein hergerichtet. Foto: har

Dass „Fritjof“ so fein aussieht, ist letztlich auch Helmut zu verdanken, der mit viel Liebe und Engagement alles unter seine Fittiche genommen hat, was rosten oder zumindest angegriffen werden könnte: Die Beschläge scheinen wieder in glänzendem Weiß. Das sollte für diese absehbare Kurz-Saison auch völlig ausreichen.
Klaas

Frohe Ostertage!

Erinnerungen an schöne Segel-Ausflüge …. Foto: har

Wir wünschen Euch allen da draußen, auch wenn es gerade leider nicht klappt mit Wassersport, schöne und besinnliche Ostertage! Diese Corona-Krise dauert nicht ewig. Und wenn wir alle die nötige Vernunft walten lassen, haben wir sicher irgendwann unsere Pinnen, Schoten und Fallen wieder in den Händen. In diesem Sinne: immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel! 😉
Klaas

Marinekutterregatta – fällt aus

Die Marinekutterregatta Ende Juni ist abgesagt. Foto: har

Das Gegenteil wäre eigentlich die Nachricht gewesen; aber nun ist es amtlich. In dieser Woche kam die schon erwartete Mail aus dem Marinestützpunkt in der Wik, dass nicht nur die Kieler Woche im Juni nicht stattfinden wird, sondern auch die traditionelle Marinekutterregatta. Ob die Regatta wie die übrige Veranstaltung auf September verschoben wird oder in diesem Jahr komplett ausfällt, ist noch nicht entschieden. Das soll laut Marine wohl erst Ende Juni feststehen.

Bis dahin heißt es für uns abzuwarten. Die Wettfahrten zur Kieler Woche sind für die Kuttercrew der Marine-Jugend Kiel die einzige Regattateilnahme im Jahr. Aber auch die jugendlichen Seglerinnen und Segler unseres Vereins müssen natürlich zunächst sehen, ob die Anforderungen von Schule, Ausbildung oder Beruf es zulassen, mal eben im Herbst statt im Frühsommer anzutreten.

Eine Kieler Woche ohne Marinekutterregatta mag bei dem Einen oder der Anderen vielleicht ein Schulterzucken hervorrufen; aber diese Regatta ist Ursprung und Kernbestandteil der „KiWo“. Und rund 1.200 aktive Seglerinnen und Segler weniger in dieser Woche fielen durchaus ins Gesamtgewicht. Gar nicht zu unterschätzen sind der immense Aufwand und die umfangreiche Organisation der Marinekutterregatta, die im Hintergrund vor, während und nach der Veranstaltung nötig sind. Deshalb senden wir auch gute Gedanken und gedrückte Daumen in Richtung des kleinen Organisationsteams bei der Marine – egal, ob die 131. Marinekutterregatta in diesem Jahr oder erst 2021 stattfinden kann.
Klaas

Und draußen ist das Wetter gut …

In der Bootshalle strahlen die überholten Jollen aller Klassen. Foto: har

Wetterwechsel an der Kieler Förde: 20°C und strahlender Sonnenschein draußen – aber auch in der Bootshalle der Marine-Jugend Kiel strahlt es. Dort sind es allerdings die überholten Jollen, die vor sich hin glänzen. Die letzten Lackschichten werden aufgetragen. Die Farbauswahl ist etwas eingeschränkt, zugegeben. Wir nehmen das, was vorhanden ist. Und es sieht so aus, als ob fröhliches Hellblau die Farbe dieser – missglückten – Saison wird.

Welcher Lack verhält sich wie? Die erzwungene Ruhezeit ermöglicht wenigstens ein paar weitergehende Experimente. Foto: Guido

Guido hat sich erbarmt und versuchsweise Lackproben auf Sperrholz aufgetragen, um sicherzugehen, dass wir mit den verschiedenen Farben nicht nach anfänglicher Euphorie noch technischen Schiffbruch erleiden. Das bisher beliebte Flaschengrün fällt jedenfalls nach ersten Erkenntnissen aus der Palette heraus…
Klaas

Arbeiten im Schichtbetrieb

Endlackierung: Zwei von drei „Floh“-Jollen erreichen den segelfähigen Zustand. Foto: har

Schon beim Aufschließen der Bootshalle ist klar, dass hier schon fleißige Hände am Werk gewesen sind: Noch vor dem Betätigen des Lichtschalters melden die Nasen die Lackierarbeiten. Schnell die Masken aufgesetzt und einen Blick risiert – Guido und Malte haben eine der „Floh“-Jollen zum Strahlen gebracht. Himmelblau glänzend ist das Boot nun weitestgehend fertiggestellt. Lackdosen und Härter werden geöffnet, und die zweite Schicht des heutigen Tages nimmt sich den nächsten „Floh“ vor. Nach ein paar Stunden ist der zweite „Floh“ lackiert. „Platin“ heißt die F.arbe. Gräulich weiß wäre wahrscheinlich passender.

Aus Dunkelblau wird Hellblau. Ist ja auch ein bisschen freundlicher. Foto: Finja

Mit ein bisschen Glück bekommen wir auch den letzten Vertreter dieser Bootsklasse aus unserem Bestand in dieser Woche halbwegs fertig. Allerdings hat der dritte „Floh“ ein paar Macken mehr und verlangt auch noch Arbeit mit Schleifgerät. Der Schichbetrieb zu Corona-Zeiten geht also noch weiter.
Klaas

Nächster Schlag: Kiel schließt Sportboothäfen

So, wie es aussieht, bleiben die Boote auf dem Hof noch eine Weile eingepackt. Ob es in diesem Jahr noch ernsthaft etwas wird mit dem Segeln in Kiel, sei erstmal dahingestellt. Foto: har

Während wir einzeln, still und leise abwechselnd hinter verschlossener Tür an unseren Booten werkeln, erreicht uns heute die nächste Hiobsbotschaft. Mit sofortiger Wirkung schließt die Stadt Kiel ihre Sportboothäfen, kurz gefasst: Das sind so gut wie alle in der „Sailing City“. Selbst das Einfahren von außen ist untersagt, Slippen und Kranen natürlich auch. Die Verfügung gilt bis zu, 19. April – erstmal. Denn wie auch die anderen behördlichen Verfügungen kann auch diese Weisung im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie immer wieder verlängert werden. Sollte das geschehen, könnte es das natürlich weitestgehend mit Segeln in der Saison 2020 gewesen sein. Die Kieler Woche ist schon vom Ende Juni auf September verschoben worden; die Sommerferien beginnen in Schleswig-Holstein beginnen auch schon am 29. Juni.

Kleine Ausbesserungen noch, dann kommt die Farbe drauf: Cathrine macht den ersten Opti schick. Foto: har

Wir machen trotzdem weiter. Halbfertige Boote sind ja kein erhebender Anblick. Und es ist schon viel Arbeit in die schwimmenden Untersätze investiert worden. Deshalb geht es nun ans Finish: Der erste „behandelte“ Opti hat seine erste Schicht Lack erhalten. Sieht nicht ganz aus wie neu, aber fast … Und zwei von drei unserer „Floh“-Jollen haben ihre letzten Schleifarbeiten über sich ergehen lassen müssen. Das Boot in Froschgrün gehört zudem der Vergangenheit an. Die hellgraue Vorstreichfarbe weist dezent darauf hin, dass die alte Schönheit künftig eine hellere Erscheinung sein wird. Und so machen wir in den kommenden Tagen weiter. Irgendwann wird man sicher wieder auch in Kiel segeln können.
Klaas

„Kieler Woche“ – verschoben

Warten auf die erste Wettfahrt der Marinekutterregatta bei der Kieler Woche. Foto: har

Es ist einer der wesentlichen Höhepunkte im Segler-Leben im Jahr: die „Kieler Woche“ in der letzten vollen Juniwoche. So ist es seit Ende des Zweiten Weltkrieges Jahr für Jahr gewesen – jedenfalls bis 2020. Die Corona-Pandemie hat Stadt Kiel und Veranstalter dazu gebracht, das weltgrößte Segel-Ereignis auszusetzen und voraussichtlich auf Anfang September, genauer, auf die Zeit vom 5. bis 13. September zu verschieben.

Das Feld der ZK-10-Kutter auf der Bahn auf der Kieler Innenförde. Foto: har

Für die Marine-Jugend Kieler Förde ist das natürlich alles andere als schön. Seit vielen, vielen Jahren ist ein Kutter mit seiner jugendlichen Crew bei den Marinekutterregatten dabei. Was aus diesem für uns speziell wichtigen Ereignis innerhalb der Segelwettkämpfe wird, wissen wir noch nicht, bleiben aber dran. Denn eine Verschiebung als solche ist das eine Problem. Wie es im September mit der Pandemie und ihren Folgen aussieht, müssen wir im Vereinsleben erst einmal sehen. Die meisten jungen Seglerinnen und Segler gehen natürlich zur Schule. Die Schulen wiederum – zumindest in Kiel und Umgebung – haben die letzte Juni-Woche in der Vergangenheit immer als besonders segelrelevant eingepreist. Wir werden sehen und Euch auf dem Laufenden halten.
Klaas

Corona – aber irgendwie geht es schon weiter

Corona-Shutdown im Gruppenraum: Aber es ist so ordentlich hier – eindeutig die „Handschrift“ von Dieter und Tina … Foto: har

Gähnende Leere im Gruppenraum der Marine-Jugend Kieler Förde: und das an einem Sonnabend. Normalerweise ist hier richtig etwas los. Kinder und Jungendliche, die hier Segeltheorie pauken, spielen, sich unterhalten, an den Booten arbeiten. Heute. Nichts. Das Herunterfahren des öffentlichen Lebens im Zuge der Corona-Pandemie schlägt auch voll auf einen kleinen Jugendverein durch.

Mmmh, hier ist doch eindeutig an den großen Jollen gearbeitet worden. Sieht ein bisschen nach Guido, Stephan, Jörn, Stefan und Klaas aus. Aber die Heinzelmännchen sind schon wieder ausgeflogen … Foto: har

Aber Einiges lässt sich nicht komplett am Telefon oder schriftlich regeln. Deshalb ist heute wenigstens der erweiterte Vorstand des Vereins da – nur ein paar Menschen, die genug Abstand untereinander halten können und sich, wie die Kanzlerin sagt, weniger die Hände schütteln als vielmehr länger freundlich in die Augen schauen. Aber es müssen Dokumente gelesen, rechtliche Angelegenheiten entschieden werden. Darüber hinaus: Was wird aus den bisher anberaumten Terminen? Kranen? Ansegeln? Kommunikation mit den Mitgliedern? Der ausgesetzten Jahreshauptversammlung? Dem Kids Festival? Der Kieler Woche? Der Segelfreizeit? Vieles lässt sich noch nicht absehen. Aber wenigstens gibt es neben all den Dingen, die wir „auf Sicht fahren“ müssen, auch ein paar gute Nachrichten.

Erwischt: Guido arbeitet still und leise an einer „Floh“-Jolle. Hier muss ein Pütting neu einlaminiert werden. Das ist der Beschlag an der Jolle, an dem ein Want befestigt wird. Foto: har

Die fleißige Arbeit der vergangenen Wochen lässt uns etwas Luft zum Atmen: Viele Boote sind schon bereit für die kommende Saison, auch die großen unter ihnen. Unsere Yacht „Regulus“ und der ZK-10-Kutter „Fritjof“ benötigen nur noch ihren jeweiligen Unterwasser-Anstrich. Dann können sie in „den Bach“. Ein Motorboot muss noch dringend gewartet werden. Dafür ist die Opti-Flotte für diese Saison so groß wie lange nicht mehr. Und auch bei den großen Jollen sind die Restarbeiten übersichtlich. Die werden wir wohl im „Heinzelmännchen-Modus“ abarbeiten, still und leise, immer wenn der oder die Einzelne Zeit hat, sich in die Bootshalle zu schleichen und für sich weiter zu werkeln. Das Motto lautet: Kopf hoch. Wir werden dieses Jahr schon segeln. Denn zum Glück gibt es die Möglichkeit, auch allein im Boot unterwegs zu sein. Corona hin oder her.
Klaas

Vor der Verarbeitung die Verarbeitungshinweise: Nicht nur Stefan braucht für das extrem klein Gedruckte schon fast eine Lupe. Foto: har

Gesundheit geht vor

Die Jahreshauptversammlung der Marine-Jugend Kieler Förde muss wegen der Situation im Zusammenhang mit der Corona-Epidemie verschoben werden. Foto: har

Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Immerhin sind auch schon etliche Vorbereitungen für unsere Jahreshauptversammlung am Sonnabend, 14. März, getroffen worden. Aber es hilft nichts. Sie muss verschoben werden. Die äußeren Umstände zwingen uns dazu. Denn zunächst haben die Gesundheit unserer Mitglieder, Freundinnen und Freunde – und deren Angehöriger absoluten Vorrang. Die Entwicklung der Corona-Epidemie verlangt nun einmal die Einschränkung bei nicht absolut notwendigen, sozialen Kontakten. In diese Kategorie fällt auch eine Jahreshauptversammlung. Zum Glück sind keine für den Verein überlebenswichtigen Entscheidungen zu treffen. Die Marine-Jugend Kieler Förde bleibt auch so handlungsfähig. Sobald es die Entwicklung erlaubt, wird die Jahreshauptversammlung umgehend nachgeholt. Der eigentliche Vereinsbetrieb wird in nächster Zeit von Woche zu Woche sehr kurzfristig geregelt werden müssen – über die üblichen Kanäle, die uns zur Verfügung stehen.
Klaas

Frische Luft für die Boote

Mal nach Backbord, mal nach Steuerbord, mal nach achtern kippeln. Wo kommt überall Wasser ins Boot, wo es nicht soll? Foto: har

Der Silberstreif der kommenden Segelsaison wird am Horizont sichtbar. Deshalb haben wir heute bei der Arbeit an den Booten richtig „reingehauen“. Und damit sich schon einmal das richtige Gefühl einstellt, musste gleich das erste Boot in die Förde geworfen werden. Der 420er „Jam Jam“, der uns in den vergangenen Wochen manches Kopfzerbrechen bereitet hatte, war das passende Versuchsobjekt.

Hier ist Wasser, das da nicht hingehört. Aber wenigstens kommt es nicht aus Stellen, die gerade aufwändig repariert wurden. Foto: har

Das Vorschiff des Bootes, das reichlich „weich“ geworden war, hatte stabilisiert werden, viele Beschläge hatten ausgetauscht oder repariert werden müssen. Der Schwertkasten war zu Beginn der Winterarbeit eher ein unabhängiges Accessoire zur Jolle gewesen – sprich: da war Einiges zu laminieren gewesen, um aus dem Springbrunnen wieder ein ordentliches Boot zu machen … aber … beim fröhlichen zu Wasser lassen entpuppte sich „Jam Jam“ doch als Salzwasser-Springbrunnen. Wir hatten etwas übersehen: die kleine Lenzklappe, die eigentlich dazu dient, Wasser nach dem Kentern wieder aus dem Boot zu bekommen. Dummerweise war die Klappe verbogen, die Dichtung völlig verrottet. Dabei hatte sie auf ersten Blick doch völlig funktionsfähig ausgesehen.

Die Lenzklappe ist die Schwachstelle dieses 420ers. Sie muss raus und ausgetauscht werden. Malte legt Hand an und operiert das verbogene Metall aus dem Rumpf. Foto: har

Also ganz schnell wieder aus dem Wasser – und zurück in die Bootshalle. Und es folgt der Beginn der neuerlichen Reparatur: Die Lenzklappe muss raus, im Netz nach Ersatz gesucht werden. Die alte Klappe ist nicht mehr zu retten, verbogen, undicht eben. Also bleibt das Loch im Boot bis zum nächsten Wochenende, in der Hoffnung, bis dahin das richtige Ersatzteil bekommen zu haben. Wir packten „Jam Jam“ erstmal wieder unter eine Persenning. Immerhin ist das gute Stück ansonsten wieder einsatzbereit.

Der Kleine muss auf den Großen: Der 420er wird von Mirco und Klaas auf einem 470er platziert. Foto: cmo

Aber nicht nur der 420er kam heute „auf die Werkbank“. Zwei Optimist-Jollen bekamen ihren Anteil ab, wurden angeschliffen, einer von ihnen sorgfältig ein ungewolltes Loch im Schwertkasten verschlossen. Unsere „Floh“-Jollen ereilte das gleiche Schicksal; auch sie erhielten eine liebevolle Behandlung mit grobem Schleifpapier. Und der ZK-10-Kutter „Fritjof“ schließlich wurde von innen trocken gelegt und von außen gesäubert, dazu die Ruderbeschläge gereinigt. Wie gesagt, es gibt einen Silberstreif am Horizont. Wir werden langsam unruhig und wollen auf das Wasser. Und die Boote scheinen es auch schon ein wenig zu merken….
Klaas

Grau, grau, grau sind alle meine Kleider

Gleichmäßig die Farbe auftragen: Dieser „Optimist“ bekommt nach aufwändigen Reparaturen seine Farbe zurück. Foto: bür

Am vergangenen Wochenende haben wir wieder die Temperaturen in der Bootshalle durch fleißiges Arbeiten erhöht. Riemen und Masten unseres ZK-10-Kutters erhielten die letzten Lackschichten für die Saison. Und einer der Optimisten, die wir uns vorgenommen hatten, ist mit Ausbesserungen ebenfalls „durch“. Die erste Fuhre grauer Farbe wurde vorsichtig über den Bootskörper gerollt. Sieht ebenfalls wieder ganz passabel aus.

Der 420er „Jam Jam“ bekommt seine Farbe zurück. Rings um den Schwertkasten waren Ausbesserungen nötig gewesen. Foto: bür

Der 420er „Jam Jam“ steht auch vor seiner Vollendung. Der Schwertkasten ist (hoffentlich) dicht. Mühe genug haben wir uns in den vergangenen Wochen gegeben, um zu verhindern, dass mal wieder Feuchtigkeit von unten eindringt, wo sie nicht hingehört.
Und schließlich haben wir auch noch ein Werkstück in die Hand genommen, mit dem wir nicht auf dem Wasser unterwegs sind. Ein Werbe-Aufsteller hatte ganz schön marode „Füße“ bekommen. Die sind jetzt ab. In den kommenden Wochen wird er auf neue Beine gestellt, damit wir auch damit öffentlich auf uns ein bisschen aufmerksam machen können.
Malte Schmidt

Boote aus Holz und Eisen

Simon streicht in der Farblast Beschläge des ZK-10-Kutters. Foto. bür

Unser guter alter ZK-10-Kutter „Fritjof“ ist zwar aus „Plastik“ (GFK); aber relevante Teile sind schon aus ansprechenderen Materialien. Und auch die verlangen eine entsprechend gute Pflege. Simon zum Beispiel nahm sich in der Farblast die bereits gegen Rost behandelten Beschläge des Ruderblatts vor und verpasste ihnen das gewohnte Weiß. In unserem Werkstattbereich sieht es zwar nicht gerade wie in einem Operationssaal aus – Jugendsprecher Simon dagegen hätte schon auch dorthin gepasst. Farbdämpfe sind alles andere als gesundheitsfördernd. Die Atemmaske musste daher angelegt werden.

Stephan legt Hand am Großmast des Kutters an – Holz ist schön aber anstrengend: Schleifen, lackieren, schleifen, lackieren, schleifen, lackieren … Foto: bür

Neben dem Eisen muss das Holz behandelt sein – eigentlich wie jede Woche. Denn die Arbeiten wiederholen sich schier endlos, bis das Ergebnis für die nächste Saison wieder ausreicht. Cara, Liv und Stephan kümmerten sich liebevoll um Masten, Gaffeln, Bäume, Riemen, Ruder und Pinne. Und wenn Ihr den berühmten Film mit dem Murmeltier kennt, wisst Ihr, dass auch nächstes Wochenende wieder Schleifpapier und Lack an diese Teile müssen.
Klaas Hartmann-Moritzen

Wo kommt die rote Nase her?

Finja schleift den Bug des 420ers ab – danach kommt richtig Farbe ins Spiel … 😉 Foto: bür

Langwierige und gleichförmige Arbeiten können im Ergebnis durchaus ganz lustig werden: An diesem Wochenende hat es die 420er-Jolle „Jam Jam“ erwischt. Über Monate hinweg haben wir Arbeit in das Boot gesteckt. Der Schwertkasten war undicht und musste behandelt werden, das Vorschiff ähnelte von der Substanz her eher einem Trampolin, und an den Beschlägen musste auch so Manches ergänzt werden. Der Bugbereich hatte einer Art Mondlandschaft geglichen und musste deshalb aufwändig „geglättet“ werden. Das ist nun geschafft. Finja hat sich um das Endergebnis bemüht. Und nun stehen wir davor und rätseln, was die rote Nase zu bedeuten hat. Habt Ihr Ideen… ????

Wir rätseln ob der roten Nase unseres 420ers, ob er eine Vergangenheit im Roten Meer oder als Vertreter eines Weihnachts-Rentiers hat. Foto: bür

Aber nicht nur der rüstige 420er bekam seine Farbe ab. Auch einer der Optimisten, bei dem wir die Hoffnung schon fast aufgeben hatten, verfügt wieder über die Ecken und Kanten, die dieser Klasse zu eigen sind. Nachdem wir zweimal mit teurem Baumarkt-Epoxid-Spachtel auf die Klappe gefallen waren (bei Kauf bereits ausgehärtet 🙁 ), griff Guido in das Regal für Pkw-Zubehör. Das hat nun funktioniert. Der Versuch davor hatte sich selbst verflüssigt und war von dannen gezogen…
Klaas Hartmann-Moritzen

Bis die eingedrückte und beschädigte Kante dieses Optimisten wieder in Form kam, dauerte es … Foto: bür

Erwachsene dürfen mal ganz allein …

An den Beschlägen des Kutters muss noch nachgearbeitet werden. Kai kümmert sich darum. Foto: har

Ruhe in der Bootshalle … naja, nicht ganz: Die Maschinen waren gut zu hören. Dafür war es sichtlich leerer als gewohnt. Während die Kinder und Jugendlichen der Marine-Jugend nebenan engagiert über ihre künftige Vertretung diskutierten, durften die verbleibenden Erwachsenen mit der Winterarbeit weitermachen.

Während die Jugendlichen diskutieren, müssen die Erwachsenen nebenan mit der Winterarbeit weitermachen. Guido kümmert sich um einen der Optimist-Jollen. Foto: har

Ganz gut, dass nicht so viele weitere Zeugen dabei waren, bestand die Beschäftigung in der Bootshalle doch unter anderem darin, die Fehler der vergangenen Woche auszubügeln, ohne dass es hämische Kommentare geben konnte. Da war der Versuch, eine Bootskante mit Epoxid-Harz aufzufüllen, leider ging das schief. Über die Ursache diskutieren wir noch … 😉

Gute Ordnung ist alles: Mirco sortiert das Werkzeug. Foto: har

Ganz wirkungslos war die Arbeit dennoch nicht. Schleifmaschinen und Feinwerkzeug taten durchaus ihre Wirkung an Kutter-Beschlägen, GfK-Oberflächen und Holz-Ruderblättern. Und für ein bisschen Aufräumen reichte es auch noch. Nächstes Wochenende erzielen wir sicher wieder ein bisschen mehr Wirkung.

Klaas Hartmann-Moritzen

Neue Jugendsprecher müssen her!

Die Neuen: Jugendsprecher sind seit heute Malte und Simon (rechts). Foto: har

Es gehört zu den demokratischen „administrativen“ Pflichten, die Vertreterinnen und Vertreter in den Vereinsgremien zu wählen. Und heute in der Jugendversammlung der Marine-Jugend Kieler Förde hieß es, die neuen Jugendsprecher zu bestimmen. Finja, die dieses Amt bisher ausgeübt hatte, ist wegen ihrer beruflichen Entwicklung ab dem kommenden Sommer wahrscheinlich nicht mehr in der Lage, sich weiter regelmäßig um die Vereinsbelange intensiv zu kümmern. Also wurden heute würdige Nachfolgerinnen oder Nachfolger gesucht – und gefunden. Malte und Simon wollen sich diese Aufgabe künftig teilen, eine Idee, die bei den Jugendlichen gut ankam. Beide wurden deshalb für die kommenden beiden Jahre in dieses Amt gewählt. Ganz herzlichen Glückwunsch!

Klaas Hartmann-Moritzen

Gleich geht es los: Die Jugendversammlung der Marine-Jugend Kieler Förde wird gleich das Programm für die kommende Saison diskutierten und neue Jugendsprecher wählen. Foto: har

Kurzer Anfahrtsweg

Mit dem Kutter im Schlepp in Richtung Marinestützpunkt in der Wik. Foto: Bürger

Wie viele Personen benötigt man, um einen ausgewachsenen Kutter mit zwei Masten zur Regatta nach Kiel in den Marinehafen zu bringen? Normalerweise ist da eine ziemliche Organisation dahinter. Material bereitstellen, Trailer prüfen, Personal im Kalender auf einen Nenner bringen. Und dann viel Zeit einplanen. Wir dagegen haben den unbestreitbaren Heimvorteil: ein paar Telefonate, Check im Kalender und los geht’s. Morgens haben wir ein Auto beim Stützpunkt abgestellt, sind mit dem zweiten Wagen zum Liegeplatz von „Fritjof“. Kurz darauf waren Jörn, Stefan, Malte und Klaas unterwegs. Und damit es nicht ganz so viel Zeit kostet, ging es mit dem Schlauchboot als Schlepphilfe voran. Und nach einer guten Stunde lag „Fritjof“ bereits friedlich vertäut an der Mole des Bootshafens im Marinestützpunkt. Es durfte losgehen …
Klaas

Und da ist er, unser „Fritjof“. Noch einmal aufklaren – und ab dann geht es in den Regatta-Modus, in den geruhsamen natürlich. Foto: Klaas
Halten den Kutter auf dem Weg in den Kieler Marinehafen fest an der Schleppleine. Foto: har